Was nun, Herr Petrus?

Was nun, Herr Petrus?

7. Sonntag der Osterzeit – Lesejahr A – 01. Juni 2014
Lesungen: Apg 1,12-14 / 1 Petr 4,13-16 / Joh 17,1-11a
Liturgie (hier)

Zum Anhören der Predigt bitte am Ende des Textes auf das kleine Dreieck am linken Balkenende klicken

Die Reporter hätten ihnen vielleicht die Tür eingerannt, weil sie unbedingt wissen wollten: „Was nun, Herr Petrus?“  Vom Ölberg kommend hatten sie sich wieder versammelt, die Apostel Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus und Simon, sowie Judas, der Sohn des Jakobus mit Maria, der Mutter Jesu und anderen Frauen.

Der Karfreitagsschock war ihnen noch ins Gesicht geschrieben. Mit dem Todesurteil ihres Meisters hatten sie nicht gerechnet, noch viel weniger damit, daß sich Jesus ihnen lebend zeigen würde, zuletzt am Tag seiner Himmelfahrt.  Fernsehen gab es damals noch nicht, aber es gab doch Beobachter der Ereignisse. Und es gab Leute, die wichtige Ereignisse gerne weitererzählten – auf dem Markt, am Brunnen oder in der Synagoge. Es gibt immer Leute, die gerne Neuigkeiten erzählen.  Und manche haben diese Neuigkeiten auch aufgeschrieben, oft viele Jahre später, aber mit einem genauen Erinnerungsvermögen, das damals gewiss schärfer war als das heutige. Man lebte ja ausschließlich von mündlichen Überlieferungen. Zeitungen für alle gab es nicht. Und die Schriftrollen waren ein teuerer Luxus für die Gelehrten.

Aus diesen Aufzeichnungen lesen wir heute noch vor. Auch wenn diese Texte keine Reportagen sind, keine Protokolle, so können sie doch Wahrheit beanspruchen – vielleicht mehr als heutige Druckerzeugnisse, die nicht selten gefälscht werden.  Für uns ist das wichtig. Wenn wir nämlich die Wahrheit über Jesus wissen wollen, müssen wir die hl. Schrift lesen. Es gibt keinen anderen Weg.

Die Apostelgeschichte hat Lukas aufgeschrieben. Sie schildert die Ereignisse, die sich um den Kreis der zwölf und ihrer Freunde zugetragen haben. Was nach der Himmelfahrt Jesu geschah, haben wir in der Lesung gehört. Einen Satz daraus möchte ich herausgreifen, weil er eine  Empfehlung an uns enthält:  „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern“ (Apg 1,14). Wir sollten es ihnen nachtun!  Die zwölf mit den Frauen waren zurückgekehrt in jenen Raum, in dem sie mit Jesus das Paschamahl gefeiert hatten. Damals war unter dem starken Eindruck des drohenden Prozesses gegen Jesus eine besondere Atmosphäre unter ihnen entstanden.

Der Lieblingsjünger Johannes erinnert sich noch im hohen Alter an diesen Abschiedsabend und schreibt alles auf. Er schreibt es so lebendig, daß man meint, Jesus selbst sprechen zu hören. An Gebetsworte Jesu erinnert sich Johannes, Gebetsworte, die teilweise schwer verständlich sind.  Jesus betet zum Vater für seine Apostel. „Für sie bitte ich“, sagt er. Und mit den Aposteln sind auch wir gemeint, sind alle gemeint, die Gott suchen.  In diesen Gebeten kommt ein Wort vor, mit dem wir uns schwer tun, das Wort Herrlichkeit. „Vater, verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche“. Was könnte das bedeuten? Oder: „Vater, verherrliche du mich … mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war“. Was könnte das bedeuten?

Wenn Menschen über Gott nachdenken , tun sich mehr Fragen als Antworten auf. Allerdings kann ein Blick  auf den nächtlichen Sternenhimmel oder die Erforschung der Geheimnisse des Lebens zum Staunen über die Größe der Schöpfung anleiten. Dann fragen wir:  Warum ist das alles so, wie es ist? Wer hat das alles gemacht?

Naturwissenschaftliche Erklärungen befriedigen unsere Neugier nicht. Erkenntnis durch Staunen ist mehr als Ansammlung von Faktenwissen. Wer vom Staunen erfasst wird, kann schon mal ein Wort der Bewunderung sprechen.  Jugendliche sagen dann vielleicht: „Das ist Spitze!“ Oder: „Das ist Wahnsinn!“ Ein Erwachsener sagt dann vielleicht: „Das ist herrlich!“ Wo immer wir in der Bibel das Wort „herrlich“ lesen, ist damit ein Gefühl des Staunens oder des Außer-sich-seins gemeint.

Alles, was sich mit Jesus von Nazareth zugetragen hat, angefangen von seiner Taufe im Jordan und seinem ersten öffentlichen Auftreten in Galiläa, seine Reden und seine Heilungen bis hin zu seiner Passion, seiner Auferstehung und Himmelfahrt, all das ist staunenswert. Was von ihm gesagt werden kann, ist von keinem Menschen je gesagt worden. Er war ein außergewöhnlicher Mensch. Er war eben Gottes Sohn, Gottes Herrlichkeit.

Und ausgerechnet dieser Jesus ist uns nun besonders zugetan, so sehr, daß er bei Gott für uns eintritt, so sehr, daß er uns nicht als Waisen zurückgelassen hat, sondern seinen Leben schaffenden Geist schenkt, spürbar und sichtbar im neuen Lebensmut und in einer neuer Lebensfreude, von der die Apostelgeschichte erzählt.

Für uns sind solche Erwägungen wichtig, wenn wir Gottesdienst feiern, damit wir auf den Geschmack kommen beim Lesen der Hl. Schrift, auf den Geschmack Gottes. Er ist ja kein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Er ist – damals wie heute – am Werk.  Sein Geist erfüllt die Schöpfung. Sein Geist erneuert das Antlitz der Erde. Sein Geist macht uns lebendig und schenkt uns Mut und Freude am Leben. Der Hl. Geist ist die wirksame Gegenwart Gottes und die gegenwärtige Wirksamkeit Gottes mitten in unserer Welt, sagt der Theologe Schillebeeks.

Wie aber erfahren wir das? Indem wir vom Leben der Jünger Jesu zwei Dinge lernen:

  1. indem wir uns daran erinnern, dass Jesus beim Vater für uns eintritt. Wer einen solchen Fürsprecher hat, dem kann nichts mehr fehlen, dessen Leben ist gerettet.
  2. indem wir uns immer wieder zum Gebet versammeln – vor allem wegen der Bitte Jesu im Abendmahlssaal:  „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19). Das ist heute für uns die Feier der Eucharistie.

Eine Fernsehreportage von damals gibt es nicht, aber lebendig ist unter uns der Glaube an das, was die Apostel und Evangelisten in ihren Schriften aufbewahrt haben. Damals breitete sich der „neue Weg“  über das tägliche Gespräch und schließlich über schriftliche Aufzeichnungen aus. Wir könnten modern sagen über „Erinnerungsprotokolle“.

Heute haben wir auch noch andere Möglichkeiten. Es sind die sozialen Kommunikationsmittel: Zeitung, Funk, Fernsehen, Internet, Twitter und Facebook.  Was Jesus gesagt hat und wie seine Jünger gehandelt haben, das kann durch die modernen Medien allen Menschen zugänglich gemacht werden. Der Hl. Geist kann sich aller Mittel bedienen, damit die Gute Nachricht, das „Evangelium von der Gnade Gottes“, wie Paulus es nennt, weitergetragen wird. Die gute Nachricht von Jesus, unserem Fürsprecher beim Vater, und von seiner Kirche, die trotz aller Mängel immer neu aus der Kraft des Hl. Geistes lebt und wirkt.

 

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

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