Lebens- und Durchhaltekraft

Lebens- und Durchhaltekraft

Pfingstmontag – Lesejahr A – 09. Juni 2014
Lesungen: Apg 10,34-35.42-48a / Eph 4,1b-6 / Joh 15,26-16,3.12-15

Zum Anhören der Kurzpredigt am Ende des Textes auf das kleine Dreieck am linken Balkenende klicken

Vor einer Woche endete der Katholikentag in Regensburg. Es war ein Fest des Glaubens. In den zahlreichen Veranstaltungen und Begegnungen konnten die Teilnehmer erleben, dass die Kirche vielgestaltig und lebendig ist. Wie diese Lebendigkeit aussieht, das wurde auch in den Lesungen der Eucharistiefeier am  heutigen Pfingstmontag beschrieben.

Die Apostelgeschichte erzählt, dass dem Petrus die Augen aufgingen, als er in einer Gebetsversammlung – wahrscheinlich in einer jüdischen Synagoge – erlebte, wie die Anwesenden seine Worte mit Begeisterung aufgenommen haben. Er hat ja nichts anderes gesagt, als was er mit Jesus von Nazareth erlebt hatte. Jesus hatte ja keine neue Lehre verkündet, sondern einen neuen Lebensstil vorgelebt und ihn dann erklärt. Das ist ein altes Prinzip in der Erziehung: zuerst das Beispiel, dann die Belehrung.

Die Anwesenden, so können wir jetzt deutend sagen, wurden vom Hl. Geist erfüllt – und zwar ohne Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft. Auch Nichtjuden waren wie angesteckt von der neuen Lebensfreude und der gegenseitigen Aufmerksamkeit. Da gab es kein Hindernis mehr für die Taufe – d.h. für die offizielle Aufnahme in die Gemeinschaft der Jesusleute.

Im Epheserbrief beschreibt der Apostel Paulus die Eigenschaften eines freien und reifen Christen. Demütig, friedfertig und geduldig wird ein Jesus-Anhänger sein, auch fähig, den Anderen in Liebe zu ertragen und die Einheit zu wahren, weil allen eine gemeinsame Hoffnung geschenkt wurde.

Der gemeinsame Bezugspunkt ist nun für alle Jesus Christus, eine gewagte, aber glaubwürdige Beschreibung für eine christliche Gemeinschaft. Er ist über allem und durch alles und in allem.

Und schließlich läßt uns der Apostel Johannes noch einmal teilhaben an seiner Erinnerung an die letzten Stunden, die er mit Jesus im Abendmahlsaal verbracht hat. Die sog. Abschiedsreden geben einen Blick frei in das Herz Jesu,  in sein Denken und Fühlen. Dieses Herz schlägt unverbraucht und treu zu unseren Gunsten. Zwar wird es Gegnerschaft geben für jeden, der sich zu Jesus Christus bekennt, aber das Band der Liebe, das geknüpft worden ist durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, wird niemals zerreißen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gottes Zuwendung zu uns Menschen grenzenlos und bedingungslos ist.

Wer das einmal gläubig angenommen hat, wird ein wirklich freier Mensch, ein reifer und beziehungsfähiger Mensch – und sein neuer Lebensstil wird sich auswirken auf seine soziale Umgebung: Leben wird wieder lebenswert. Das alles wirkt der Hl. Geist. Er schenkt Lebens- und Durchhaltekraft – auch in Zeiten der Not.

 

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

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