Brot für das Leben

Fronleichnam – Lesejahr A – 19. Juni 2014
Lesungen: Dtn 8,2-3.14b-16a / 1 Kor 10,16-17 / Joh 6,51-58

Zum Anhören der Predigt am Ende des Textes auf das kleine Dreieck am linken Balkenende klicken

fronleichnam
 

Das Fronleichnamsfest hat in Bayern noch einen anderen Namen – Prangertag. Das ist ein doppeldeutiges Wort; gemeint ist damit einerseits die Pracht in den farbigen Gewändern, geschmückten Häusern und Straßen – aber auch der Vorgang der Zur-Schau-Stellung selbst. Die Kirche stellt sich und ihr innerstes Geheimnis sozusagen an den Pranger, gibt ihr Geheimnis preis, ein Geheimnis, das sie selber kaum versteht: das Geheimnis des Leibes und Blutes Christi.  Was sollen wir einem evangelischen Christen antworten, wenn er uns fragt: warum feiert ihr Katholiken  das Fronleichnamsfest? Wir können natürlich auf kirchliches Brauchtum verweisen. (Im 13. Jh. gab es erstmals in Köln eine Fronleichnamsprozession). Wir können zeigen, dass wir Gott auch öffentlich die Ehre erweisen, auch wenn es uns nicht leicht fällt, die Zweifler zu überzeugen. Auch die Lesungen der Messe schließen ja den Zugang zu diesem Fest nicht ohne weiteres auf.

 

In der ersten Lesung ist von einer Wegzehrung die Rede. Das Volk Gottes braucht auf seinem beschwerlichen Weg durch die Wüste Nahrung. Hunger und Durst werden immer unerträglicher. Ein Murren geht durch die Reihen. Aber dieser Aufstand ist zugleich eine Prüfung. Denn das unerwartete Manna und das Wasser aus dem Felsen sind ein Zeichen für die Hohheit und Größe Gottes. Er lässt sein Volk gegen allen Anschein nicht im Stich. Daran muss immer wieder erinnert werden. Gleichzeitig soll aber auch klar werden: Nahrung allein ersetzt noch nicht den Lebenssinn. Dazu bedarf es eines deutenden Wortes.

Das Wort von Gott her ist manchmal wichtiger als nur die Befriedigung des Hungers. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Auch wenn er sich satt essen kann, ist sein Leben nicht automatisch sinnvoll und glücklich. Es gibt viele Satte und Reiche in unseren Tagen, die sich das Leben nehmen, weil sie keinen Sinn mehr finden. Wegzehrung ist also nicht nur ein Lunchpaket für unterwegs,  sondern in der kath. Tradition immer auch die eucharistische Speise für Menschen, die einen schweren Abschnitt ihres Lebensweges durchschreiten müssen – für Kranke und Sterbende. Die Kirche war diesen Menschen immer schon zugewandt und hat z.B. durch die Bereitstellung eines eigenen Dienstes der Krankenhausseelsorge gezeigt, dass sie diese Menschen nicht allein lassen will.

Was aber wird den Christen dargereicht, wenn sie zur Kommunion herantreten oder die Wegzehrung erbitten? Was ist das für eine Speise, die wir ehrfürchtig entgegennehmen? Jesus selbst hat versucht, der Menge – wie es im Johannesevangelium heißt – zu erklären, welche Art von Speise er anbieten kann: nämlich sich selbst. „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“. Mit diesem rätselhaften Wort spielt er einerseits auf das Manna in der Wüste an, das unverhofft, mitten in der Hungersnot,  vom Himmel kam, andererseits aber offenbart er sich selbst als „Lebens-mittel“. Wie soll man das verstehen?

Uns allen ist eine Erfahrung im zwischenmenschlichen Bereich nicht fremd. Wir kennen Menschen, in deren Nähe es uns gut geht, mit denen wir gern zusammen sind, die auf uns aufbauend und ermutigend wirken, die unser Leben bereichern und uns Mut und neue Lebensfreude geben. Wir kennen aber auch Menschen, die uns zur Last fallen, uns das Leben schwer machen und an unseren Kräften zehren. Mit ihnen wollen wir nicht so gern zusammen sein.

Jesus hat sich seinen Zeitgenossen gegenüber als hilfreicher und aufbauender Mensch erwiesen: die Menschen suchten seine Nähe, fragten nach ihm und liefen ihm sogar nach. Sie hatten das Gefühl: da geht etwas von ihm aus, was dem Leben Kraft gibt und Mut. Seine Nähe ist wie Nahrung und gutes Brot. Seine Zuwendung macht das Leben froh und richtet in Zeiten der Schwäche auf. Jesus ist wie eine Kraftquelle, wie ein gutes Wort und ein gutes Stück Brot für den Tag.

Schwer zu verstehen war Jesu Wort: „Mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank“ (Joh 6,55). Vielleicht müssen wir uns von dem gängigen Verständnis des Essens und Trinkens lösen und den dahinter liegenden Symbolgehalt betrachten. Essen und Trinken ist zwar ein Vorgang der Nahrungsaufnahme. Wir eignen uns Lebensmittel an, indem wir sie in uns aufnehmen. Die Speise kommt uns zu Gute. Auf der körperlichen Ebene gibt es keine dichtere Form der Bereicherung und der Zufuhr von Kraft und Stärke als die des Essens. Wir haben aber das Essen immer auch symbolisch verstanden. Wir veranstalten ein gemeinsames Mahl, um einander zu zeigen, dass wir zusammengehören und dass wir einander schätzen und achten. Die höchste Form eines solchen gemeinsamen Essens ist ein Hochzeitsmahl. Die Liebenden verraten den tiefsten Sinn des Essens, wenn sie einander humorvoll sagen: „Ich hab dich zum Fressen gern“.

Miteinander Mahl halten ist immer ein Zeichen der gegenseitigen Liebe, ein Ausdruck der tiefsten Verbundenheit der Menschen untereinander und ein Zeichen der Verbundenheit Gottes mit den Menschen. In diesem Zeichen will Gott uns nahe sein, will er unter uns bleiben, damit wir unser Leben bestehen können und nicht seelischen Hungers sterben.

Das Fronleichnamsfest verbindet alle diese Gedanken zu einer einzigen großen Form: wir verneigen uns vor dem großen Gott, der sich uns zur Speise gibt. Wir verehren Gott als den, dem wir das Leben verdanken, das Leben des Leibes und das Leben der Seele. Und wir glauben daran, dass Gott seine Zusage durch Jesus Christus einlösen wird: „Wer von diesem Brot ißt, wird leben in Ewigkeit“ (Joh 6,51).

 

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

Print Friendly, PDF & Email