Spurensuche bei Petrus und Paulus

Spurensuche bei Petrus und Paulus

Hochfest der Apostel Petrus und Paulus – 29. Juni 2014
Lesungen: Apg 12,1-11 / 2 Tim 4,6-8.17-18 / Mt 16,13-19
Liturgie (hier)

Zum Anhören der Predigt am Ende des Textes auf das kleine Dreieck am linken Balkenende klicken

Eine bekannte Geschichte erzählt von einem Mönch, der einmal im Traum auf seinen Lebensweg zurückschaute. Er sah im Sand am Meer Fußspuren und erschrak. Ausgerechnet dort, wo er die schwersten Zeiten seines Lebens durchgemacht, sah er nur eine einzige Spur. Verwirrt fragte er Gott: „Als ich Dir nachzufolgen begann, hast Du versprochen, mir auf all meinen Wegen beizustehen. Aber jetzt entdecke ich, daß es in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sande gab. Warum hast Du mich allein gelassen, als ich Dich am meisten brauchte?“ Da gab ihm Gott zur Antwort: „Ich habe Dich nie allein gelassen und werde Dich nie allein lassen, erst recht nicht in der Not. Wo Du nur eine Spur gesehen hast, habe ich Dich auf meinen Schultern getragen!“

 

Diese Geschichte gibt zu denken. Denn Erfahrungen, die Menschen in einer besonderen Nähe zu Jesus Christus machen, sind nicht immer die glücklichsten. In den Lesungen des heutigen Festtages hörten wir die Stimme des hl. Paulus. Er schreibt an seinen Freund Timotheus eine Art Abschiedsbrief. Klagend schaut er zurück und kann nicht viel Erfreuliches sehen. Im Gegenteil. „Ich habe den guten Kampf gekämpft“, sagt er. Das Leben war ein Kampf, es war hart, es war gefährlich und oft aussichtslos. Aber: “der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft. Und er wird nun auch mein Lebenswerk vollenden.“

Schließlich war alles doch gut so, wie es war. Paulus ist bereit, das Äußerste zu geben, wenn es sein muß: Wörtlich  „Ich werde nunmehr geopfert und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe“. Das sind schon ernste Worte, Worte, die aber auch Hoffnung weitergeben, Hoffnung auf den guten Ausgang des Lebens: „Der Herr wird mich allem Bösen entreißen, er wird mich retten“, schreibt Paulus.

Auch über Petrus hörten wir eine Geschichte voller Risiko und Not. Eingesperrt ist er im Gefängnis. Man will ihm den Prozeß machen, weil er sich an das Verbot nicht gehalten hat, weiterhin über Jesus Christus in der Öffentlichkeit zu predigen. Er wird auf wunderbare Weise gerettet. Das Gefängnis kann ihn nicht festhalten. Er wird frei. Petrus kann das nur verstehen als ein Eingreifen Gottes: „Nun weiß ich wahrhaftig, daß der Herr seinen Engel gesandt und mich der Hand des Herodes entrissen hat“.

Petrus und Paulus, jeder auf seine Weise in Lebensnöten – und jeder auf seine Weise getröstet und gerettet. Wo die Situation aussichtslos erschien, kam eine Wende, ging es unverhofft zum Guten und zur Vollendung weiter.

Diese nicht auf Menschenweisheit beruhende Gewißheit spricht auch aus dem Evangelium. Jesus Christus war dem Äußeren nach wie ein Mensch unter uns erschienen. Seine Zeitgenossen hatten unterschiedliche Meinungen über ihn: die einen hielten ihn für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Diejenigen aber, die in seiner Nähe waren, die Apostel, ahnten mehr über ihn – und ihr Sprecher, der hl. Petrus bringt diese innere Gewißheit ins Wort – bei Cäsarea: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“:

Was dieses Wort in jüdischen Ohren bedeutet, können wir Heutigen kaum noch nachempfinden. Messias, d.h. für Juden – endgültiges Heil, endgültige Rettung! Ende der Not, Aufgang des Heils, Anfang einer neuen Zeit. Das alles sind nur Anklänge für die Stimmungen, die das Wort Messias in jüdischen Ohren damals auslösen konnte.

Für uns Christen heute sollte dieses Petrusbekenntnis nicht minder wichtig werden. Immerhin spricht das einer der Ersten aus, einer, der selbst in seinem Leben unstet und wechselhaft war. Dreimal hatte er  den Herrn verraten und dann später doch auf die dreimalige Frage Jesu: „Liebst du mich?“ mit einem „Ja“ geantwortet, wenn auch immer leiser und demütiger.

Von Petrus und Paulus könnten wir Folgendes lernen:

  1. Christsein heißt nicht notwendig immer ein glückliches Leben haben, sondern, oft mit mancherlei Beschwerden behaftet, in den Fußspuren des Meisters gehen.
  2. Christsein heißt aber gewiß: einen glücklichen Ausgang des Lebens erwarten, die Kraft, das Schwere zu tragen, gewinnen und insgeheim zu wissen, daß uns nichts mehr trennt von der Liebe Christi. In Stunden, in denen ich schwer zu tragen habe, trägt ER mich.
  3. Christsein muß ich täglich lernen. Ich bin nicht Christ – ich werde es immer neu.
  4. Christsein sehe ich an Männern der ersten Stunde, z.B. an Petrus und Paulus. Ihr Lebensschicksal kann mir wichtig werden. Ihre Fußspuren im Sand der Geschichte werde ich suchen, um meinen Weg zu verstehen und gehen zu können.

 

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

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