Es ist die Geduld die Vollendung der Liebe

Es ist die Geduld die Vollendung der Liebe

16. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 20. Juli 2014
Lesungen: Weish 12,13.16-19 – Röm 8,26-27 – Mt 13,24-3
Liturgie (hier)

Zum Hören der Predigt am Ende des Textes auf das kleine Dreieck am linken Balkenende klicken

Es dauert nicht mehr lange bis zur Erntezeit. Die Sorge der Landwirte, ein Unwetter könnte die Ernte zerstören, ist den meisten Stadtbewohnern wenig vertraut. Landwirte hoffen, dass die Mühe der Aussaat nicht umsonst war und die Ernte genügend Ertrag bringt. Das Unkraut bereitet heute nicht mehr so viel Kopfzerbrechen wie früher. Die moderne Landwirtschaft verfügt über technisches Gerät und Kunstdünger. Anscheinend hat sie alles im Griff.

 

Zur Zeit Jesu war das noch anders. Das Risiko, Unkraut könnte die ganze Aussaat vernichten, war viel größer.  Man säte zudem einfach auf den Boden – ohne ihn vorher besonders aufzubreiten – in der Hoffnung, die Saat würde schon aufgehen. Wir haben im Evangelium des letzten Sonntags gehört, was da alles passieren kann: dass nur ein Teil der Samenkörner Wurzeln fassen und Frucht bringen kann. Steiniger Boden, trockenes Erdreich, Wind und Unwetter, verhindern das Aufgehen der Saat.

In der Weiterführung dieser Gleichnisse aus dem bäuerlichen Umfeld trägt Jesus noch eine andere Wahrheit vor. Wir können vom Umgang des Bauern mit der Natur lernen. Es ist falsch, in der Frühphase des Wachstums das Unkraut herauszureißen, weil man damit die gute Saat gefährdet. Erst zur Erntezeit ist es sinnvoll, das Unkraut vom Weizen zu trennen.

Wir wissen, was Jesus mit diesem Bild sagen wollte. Wir können unser Leben als einen Wachstumsprozess begreifen und dabei erfahren, dass bei uns und bei unseren Mitmenschen nicht immer nur Gutes wächst, sondern auch Böses. Schuldigwerden und Versagen gehören zu unserer menschlichen Verfassung. Weil wir alles gut machen wollen, reagieren wir mit Protest: Das darf doch nicht sein! Dagegen muss man doch etwas unternehmen!

Vor allem dann, wenn uns persönlich übel mitgespielt wird, möchten wir den Übeltäter am besten gleich zur Rechenschaft ziehen. Wir haben nicht die Geduld, die wir von Gott erwarten. Wir haben aber eine Einladung von Gott, es ihm gleich zu tun: Lasst beides wachsen bis zur Ernte!

Das ist keine leichte, aber eine ernste Empfehlung, die jedes Kind versteht. Sie bedeutet nicht, dass wir allem Unrecht gegenüber einfach gleichgültig sein sollten. Was Unrecht ist, muss auch Unrecht genannt werden. Erst vor kurzem hat Papst Franziskus bei einem Gottesdienst in Kalabrien mit mehr als 200.000 Menschen die dortige Mafia, der Ndrangheta,  öffentlich angeprangert. Die Mitglieder der kalabrischen Mafia seien «exkommuniziert», weil sie die «Straße des Guten» verlassen hätten. Dieses Böse müsse bekämpft und entfernt werden. Er machte aber auch einen Besuch im Gefängnis und hat den 200 Insassen trotz ihrer Verbrechen zugesagt, dass die Kirche auch für sie da sei.

Veränderung und Besserung bedarf aber eines langen Atems und kann nicht im Schnellverfahren erzwungen werden. Gott verbundene Menschen haben das immer gewusst, auch wenn es ihnen schwer fiel, sich selber danach zu richten. Mit Gottes Hilfe aber kann sich die Veranlagung zur Geduld und die angeborene Neigung zur Güte im Menschen wirklich entfalten.

Der Kirchenvater Tertullian schreibt einmal: „Besser wer Geduld, als wer Macht hat!“

Von Gott weiß der Schreiber des Weisheitsbuches: dass er „gegen alles Nachsicht übt”, dass er “in Milde richtet”und uns “in großer Nachsicht behandelt”, so in der ersten Lesung.

Von Gott her bezieht der Mensch das rechte Maß für sein Denken und Handeln. Weil Gott den Sündern die Umkehr gewährt, soll der Gerechte menschenfreundlich sein. Paulus trug die gleiche Überzeugung hinaus in die damalige Welt und schrieb deshalb an die Römer: “Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an”.

Großzügigkeit, Geduld und die Bereitschaft, einen schwierigen Menschen immer wieder anzunehmen, kann uns nur gelingen, weil wir dieses Wohlwollen mit unserer eigenen Schwachheit  auch von Gott erwarten dürfen. Wir schaffen es nicht aus eigener Kraft. Wem aber Liebe und Verzeihen geschenkt wird, der kann Liebe und Verzeihen auch weiterschenken.

In allen drei Lesungen findet sich die gleiche Botschaft, die wir im Herzen erwägen und in tägliches Handeln umsetzen sollten: Zurückhaltung im Urteil ist immer richtig. Geduld nie falsch. Und so wird unsere Hoffnung, dass am Ende das Gute siegt, nicht enttäuscht werden. Der große Bischof von Mailand, der hl. Ambrosius, hat es gewußt, als er einmal sagte: „Es ist die Geduld die Vollendung der Liebe“.

 

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

 

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