Ein hörendes Herz

Ein hörendes Herz

17. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 27. Juli 2014
Lesungen: 1 Kön 3,5.7-12 – Röm 8,28-30 – Mt 13,44-52

Die Liturgie des Sonntags hat uns heute aus dem Reichtum der Bibel drei besonders schöne Texte zu Gehör gebracht: – das Gebet des Salomo um ein hörendes Herz – die tröstliche Zuversicht des Paulus, daß Gott alles zum Guten führt – und die stille Freude eines Menschen, der einen verborgenen Schatz gefunden hat und alles andere dafür verkauft. In allen drei Texten geht es um das Glück des Menschen, um das Gelingen seines Lebens. Salomo spürt die Last der politischen Verantwortung. Er fühlt sich für das hohe Amt des Königs noch zu jung und weiß nicht so recht, wie er sich verhalten soll. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe bittet er um Weisheit und Einsicht, um ein hörendes Herz. Er will als Regierender nicht seine eigenen Ideen durchsetzen, sondern er hat das Wohl seines Volkes im Blick.

Das ist eine Einstellung, die wir auch von unseren Politikern erwarten. Bei der Übernahme eines Ministeramtes bekennen sie sich ja öffentlich zu diesem Ziel: das Wohl des Volkes zu mehren. Manchmal aber hat man den Eindruck, daß politische Macht, öffentliches Ansehen und Einfluß, dazu benutzt werden, um die eigenen Interessen zu wahren und durchzusetzen. Wir können nur wünschen, daß sich die Verantwortlichen in Staat und Kirche am jungen Salomo ein Beispiel nehmen und mehr hinhören, um zu vernehmen, was den einfachen und kleinen Leuten im Land auf den Nägeln brennt. Gott steht immer auf der Seite der Kleinen – und nur wer sich der Kleinen und Schwachen annimmt, handelt im Sinne Gottes. Er wird von ihm ausgestattet zum Dienst und gewinnt ein weises und hö­rendes Herz.

Voraussetzung für diese Begabung oder Begnadigung ist immer, daß einer den ersten Platz in seinem Leben Gott einräumt. In der Sprache des Römerbriefes heißt das: Gott lieben. Jemanden lieben heißt ja nichts anderes als ihm den Vorrang vor allem einzuräumen. Das kann bedeuten, etwas anderes auszuräumen, damit Platz frei wird. So räumte der Mann im Evangelium seinen ganzen Besitz aus, um einen Acker zu erwerben, in dem er einen verborgenen entdeckt hatte. Er verkaufte alles, was er besaß und kaufte den Acker. Solche Radikalität hat es immer wieder gegeben. Jesus kannte sie. Er meint, wer das Himmelreich einmal begriffen hat, handelt wie der Schatzsucher oder wie der Perlenkäufer, der um einer einzigen kostbaren Perle willen ebenfalls seinen ganzen Reichtum aufs Spiel setzt.

Wir wissen, daß wir die Rede Jesu als Gleichnis verstehen dürfen. Kaufen und verkaufen hat hier nicht nur einen materiellen Aspekt, sondern meint auch im übertragenen Sinn das Sichaneignen und das Loslassen: etwas zu eigen nehmen und sich von etwas trennen. Das können auch Herzensneigungen sein, Wünsche, Liebhabereien, Sehnsüchte und Träume. Es geht also wieder um den schon erwähnten Vorrang, um den Grad der Wichtigkeit, den wir einer Sache beimessen.

Alle drei Texte laden uns heute ein, einmal mehr unsere Wichtigkeiten zu prüfen:

  • Was ist uns wirklich wichtig? Ansehen, Macht und Einfluß – oder ein hörendes Herz?
  • Was ist uns wichtig? Daß sich unsere Vorstellungen vom Leben durchsetzen – oder daß sich alles nach dem ewigen Plan Gottes entfaltet – sich zum Guten voll­endet, weil es zuletzt doch in seiner weisen Vorsehung aufgehoben ist.
  • Was ist uns wirklich wichtig? Die Mehrung unserer Lebensaussichten in dieser Welt oder die Ehre Got­tes?

Nie wird unser hungriges Herz am irdischen Reichtum allein satt werden. Gottes unbegrenzte Lebensfülle bleibt das einzig lohnenswerte Ziel aller unse­rer Bemühungen. Die Nach-lese der biblischen Texte in einer stillen Stunde könnte uns gut tun und uns helfen, unsere Wichtigkeiten neu zu ordnen.

 

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

 

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