Tod bringendes und Leben spendendes Wasser

Tod bringendes und Leben spendendes Wasser

19. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 10. August 2014

Was der Evangelist Matthäus vom Gang Jesu über den See berichtet, verdient unsere Aufmerksamkeit. Denn diese Erzählung kann als „Lesehilfe“ für viele Lebenssituationen dienen. An drei Stichworten möchte ich dies erläutern: das Schiff (oder das Boot) – das Wasser – und die sogenannte „Petruserfahrung“.

Das Schiff ist seit alter Zeit ein häufig verwendetes Symbol für die Kirche. Man hat gesagt, dass der Getaufte aus dem Meer der Welt gerettet und in das bergende „Kirchen-Schiff“ aufgenommen wird. So kann er seine Lebensfahrt sicher antreten. Freilich muss einer, erwachsen geworden, darauf achten, daß ihm sein Kirchenschiff nicht zum Grab wird. U-Boote z.B. gelten in feindlichen Meeren als besonders sichere Schiffe, weil sie untertauchen können, abtauchen ins Unsichtbare. Sie wurden aber nicht selten auch zum Grab für die Matrosen, vor allem dann, wenn sie sich allzusehr auf ihr Boot verlassen hatten. So kann es einem auch mit der Kirche gehen, wenn man sie mit dem „Reich Gottes“ verwechselt, wenn man sie als sicheres Schiff mit ewig gültigen Strukturen und Aufbauten missversteht. Die Kirche, in die wir wie in ein Schiff aufgenommen wurden, ist aber vorrangig die Ausgangsbasis für Entdeckungsreisen in Richtung Gottes. Dazu ist der Christ eingeladen. Sonst kann es ihm passieren, daß er zwar ein gut eingebürgertes Mitglied der Kirche bleibt, aber niemals eine Gotteserfahrung macht. Halten wir deshalb fest: Petrus ging auf Christus zu. Das Schiff diente ihm als Ausgangsbasis für seinen Aufbruch zu Gott hin.

Das Wasser: Es ist das verschlingende und das rettende Element zugleich. Wasser hat immer schon diese beiden Bedeutungen. Wasser vernichtet das Leben – und Wasser ermöglicht das Leben. Überschwemmungen, Wolkenbrüche, Stürme auf dem Meer, „Sintfluten“ jeder Art prägten die frühen Erfahrungen des Menschen: Wasser schmeckt nach Tod. Aber auch das Gegenbild prägte sich ein: fruchtbringender Regen in der ausgetrockneten Wüste, hervorbrechende Quellen im Ödland, Brunnen bei Oasen als Orte des Lebens. Alles Leben kommt aus dem Wasser. Noch das Kind im Bauch der Mutter schwimmt im „Fruchtwasser“. Wasser schmeckt nach Leben! Wir können weiter festhalten: Wasser ist Symbol für Leben und Tod und deshalb hat es in der Taufe seinen bedeutsamen Platz: denn im Wasser der Taufe ist unser alter Mensch gestorben und der neue, von Christus auferweckte Mensch, ist zum Leben gekommen.

Die Petruserfahrung.
Welche Erfahrung macht Petrus? Er kann über das todbringende Element Wasser gehen, solange er im Blickkontakt mit dem bleibt, von dem her die Rettung kommt. Gottes „leuchtendes Antlitz“ im Antlitz Jesu ist der Punkt, den der Mensch nicht aus dem Blick verlieren darf. Petrus erlebt, was Israel in seiner langen Geschichte immer wieder erfahren hat: das leuchtende Antlitz Gottes ist Symbol für Rettung. Im Psalm 44 heißt es: „Sie gewannen das Land nicht mit ihrem Schwert, noch verschaffte ihr Arm ihnen den Sieg: nein, deine Rechte war es, dein Arm und dein leuchtendes Angesicht“ (Ps 44,4). In der dem Petrus entgegengestreckten Hand Jesu wirkt Gottes starker Arm die Rettung. Vertrauen ist das einzige, was Petrus dazu beitragen soll: „Du Kleingläubiger – manche übersetzen auch Kleinvertrauender – warum hast du gezweifelt“. Das ist eine liebevolle Abmahnung. Man soll sich an Gott halten und unentwegt sein Angesicht suchen. Dann kann man auch gefährliche Passagen im Leben durchstehen. Versinken kann einer, wenn er sich zu sehr mit sich selbst beschäftigt, ständig in Gedanken um die eigene Situation und ihre Gefährdung kreist. Bei Petrus war es das ängstliche Starren auf Wind und Wellen. Dann ist „Petrus-Zeit“, Gefahr des Sinkens, des Verlustes eines rettenden Blickkontaktes. Es steht ja merkwürdigerweise im Evangelium nicht: „als Petrus den Wind und die Wellen spürte, sondern als er sie sah“. D.h. Die drohenden Naturgewalten haben den Blick des Petrus so sehr in den Bann gezogen, dass er Jesus, seinen Herrn und Retter, aus dem Blick verlor.

Der Theologe Matthias Scheeben (+1888) schreibt über die Bedeutung Jesu als Mittelpunkt und Blickzentrum von allem: „Wie die Sonne in der Mitte der Planeten, steht Christus inmitten der Kreaturen als das Herz und Zentrum der Schöpfung, von dem Licht, Leben und Bewegung auf alle Glieder der Schöpfung ausströmen und zu welchem alle hingezogen werden, um in ihm und durch ihn in Gott zu ruhen. Dem Augenschein nach und im praktischen Leben sehen wir die Sonne nur als eine zum Wohle der Erde bestimmte Hilfsquelle an, und so pflegen wir auch Christus aufzufassen als den uns von Gott gesandten Helfer und Befreier, als unseren Jesus, von dem wir alles zu hoffen haben. Wie aber im Lauf der Zeit die Naturwissenschaft nachgewiesen hat, dass nicht die Erde die Sonne anzieht, sondern (umgekehrt) die Sonne die Erde: so muß der Mensch, um die ganze Bedeutung Christi zu erfassen, dazu vordringen, Christus, den Sohn Gottes, als den Schwerpunkt der ganzen Weltordnung zu betrachten und so den vollen Sinn des Wortes versteht: „Ich werde alles an mich ziehen“. Als letztes halten wir fest: Wir müssen den Petrus-Blick einüben, eine Beziehung herstellen zu Christus. Unser suchender Blick wird in Richtung des Christus gehen. Wir werden ihn in die Mitte unserer Bestrebungen stellen, uns auf ihn hin orientieren – dann können wir getrost auch über die gefährlichen Wasser des Lebens schreiten. Wir werden nicht untergehen.

 

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

 

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1 Kommentar

  1. Sehr schön! der Text vom hl. Petrus interessierte mich natürlich besonders, da ich auch in anderem Zusammenhang, das Gesicht Christi im Menschen erkennen. Das Lied „wie schön leuchtet der Morgenstern 2.Str.Ich hatte das Lied betrachtet, am nächsten Morgen schlug der Hausgeistliche im Altersheim diese Strophe vor.
    Sr.M.Petra.

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