Krankheit und Leid als Nagelprobe des Glaubens

Krankheit und Leid als Nagelprobe des Glaubens

Eine Warnung vorweg. Wenn einer zu Dir sagt: Du musst nur inständig und ausdauernd beten, dann wird sich Dein Geschick schon  wenden, misstraue ihm, auch wenn er sich auf das Wort Jesu beruft „Bittet und ihr werdet empfangen!“ (vgl. Math 7,7)

Denn gleich wahr ist das Gotteswort des Propheten Jesaja „Meine Gedanken sind nicht euere Gedanken und meine Wege sind nicht euere Wege“ (vgl. (Jes 55,8)

Wen wundert es, wenn er auf Meinungen trifft: „Da hilft nur noch beten!“ Und : „Da hilft auch kein Beten mehr!“

Was soll man also mit solchen widersprüchlichen Botschaften anfangen? Gott erhört offenbar nicht alle unsere Wünsche, wohl aber vielleicht doch alle seine Verheißungen.

Es gibt zwei Wege aus dieser Nagelprobe des Glaubens.

Manche Menschen verabschieden sich mutig von ihrem Kinderglauben und lassen dennoch nicht ab von der Suche nach Gott. Dafür gibt es erschütternde Zeugnisse unserer jüdischen Brüder aus den KZs. Elie Wiesel berichtet davon. Er war in Auschwitz und Buchenwald. Ein KZ-Häftling war Zeuge einer Hinrichtung am Galgen und schrie verzweifelt: „Gott, wo bist Du!“ Sein Nachbar antwortete: „Dort hängt er!“  Von solcher Glaubensprüfung sind wir noch verschont. Sorge macht mir allerdings, dass die menschenverachtenden Praktiken in „grenzenlosen“  modernen KZs weltweit vorkommen – siehe die Gräueltaten der IS im Irak und in Syrien.

Andere Menschen kündigen endgültig ihre Beziehung zum Glauben und leben nach dem Motto: Religion ist eben doch nur Opium des Volkes (Karl Marx).

Man hat die Wahl. Der evangelische Theologe Helmut Thieleke hat eine Probe aufs Exempel vorgeschlagen und empfohlen, einmal so zu leben „wie wenn Gott wäre!“

Mehr dazu fällt mir auch nicht ein, obwohl ich zugebe, dass ich auch nicht nachlasse, um Heilung der Krebskrankheit zu bitten. Immer noch glaube ich, dass der geheimnisvolle Gott sein Ohr an meinem Herzen hat und mich besser kennt als ich mich selber kenne. Auch die Fürbitte der Heiligen gebe ich nicht auf. Immerhin hat sich meine Neuropathie (schmerzhaftes Nervenleiden in den Füßen und starke Gehbehinderungen – auch eine unheilbare Nebenwirkung der Chemotherapie) wesentlich gebessert. Neben einer leichten Schmerztablette war die Hl. Anna Schäffer sicher daran beteiligt. Sie hat jahrelange Schmerzen durch Verbrennungswunden an den Beinen tapfer ertragen und im Geist der Nachfolge Jesu angenommen.

Wo immer einer in der Welt des Glaubens steht, ob Mitglied einer Kirche oder aus ihr ausgetreten, ob selbsternannter Atheist oder esoterisch Suchender, immer wird er erfahren, dass es in Krankheit und Leid noch unentdeckte Hilfen gibt, wie Monika Renz in ihrem neuen Buch im Kreuz-Verlag mit dem Titel „Hoffnung und Gnade. Erfahrung von Transzendenz in Leid und Krankheit“ überzeugend darlegen konnte. Spiritualität ist kein Monopol der Frommen – Lesenswert!

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3 Kommentare

  1. Lieber Klaus, ein für mich ganz wichtiger Gedanke: einmal zu leben, wie wenn Gott wäre…
    Ein unendlich achtsamer „Umgang“ mit dem Gott des Elija am Horeb: …im sanften Säuseln. Das Gegenteil wäre, Gottes habhaft werden zu wollen, dessen, der so unendlich weit weg ist, oder, ihn „verwalten“ zu wollen. Schrecklich! Nur, wenn wir ihn sein lassen, den SEIENDEN, wird er uns ganz nahe.
    Einmal zu leben, wie wenn Gott wäre – nicht, um ihn auf die Probe zu stellen, sondern: mich auf die Probe zu stellen, ob ich fähig bin, mit dem Herzen zu hören…

  2. Danke, lieber Klaus, für Deine treffenden Worte, die durch Deine Situation besonderes Gewicht erhalten: ein Tasten und Suchen, ein Fragen und Warten und Fragmente von Antworten…

  3. Danke, du sprichst sehr achtsam über das Leben im Grenzbereich von der immer präsenten Frage „Warum“

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