Impulse zurückliegender Monate

 

November 2014

An nebelverhangene und graue Tage denken wir, wenn der November kommt. Die herbstliche Farbenpracht in den Laubwäldern verblasst schnell. Totengedenktage und der Tod im eigenen Lebenskreis lassen sich nicht einfach verdrängen.

Bunt ist das Leben allemal in wer jetzt schon das zu Ende gehende Jahr Review passieren läßt, wird wenig Gründe finden für ein Aufatmen.

Viele ungeahnte Herausforderungen haben die Nachdenklichen unter uns beschäftigt – und kein globales Problem konnte befriedigend gelöst werden. Ebola, Krieg in der Ukraine (Ukraine bedeutet übrigens so viel wie: Region „am Rand“), die menschenverachtende Macht der IS im Orient, das Flüchtlingsdrama …

Wohin geht die Reise? Was wird aus mir und meinen Lieben, was aus Deutschland, was aus Europa? Kaum sind wir Fussballweltmeister – schon sorgen wir uns um den EM-Titel!

Gäbe es nicht Wichtigeres zu bedenken? Mir fällt auf, dass die tot geglaubte Volksfrömmigkeit wieder an Interesse gewinnt. Jedenfalls nehmen Wallfahrten aller Art zu: unterwegs sein mit einer Verheißung ist allemal besser, als wie ein Misanthrop in der Schmollecke zu sitzen. „Tu etwas! Dann geschieht etwas“, hat der Philosoph Jörg Splett vorgeschlagen. Den einfachen Beweis lieferte Wilhelm Busch mit dem Lebensmotto von Max und Moritz: „Tätigkeit vertreibt die Zeit!“ Es könnte ja doch etwas Sinnvolles herauskommen, sobald man sich aus der Seelenlähmung gelöst hat!

Übigens beginnt ja der November mit einem Paukenschlag, dem Namenstag aller Heiligen. Die Heiligen sind nicht jene Männer und Frauen, die sich durch besonders qualifizierte moralische Leistungen Heiligkeit erworben haben, sondern es sind alle (zu Gott, dem Heiligen) zugehörigen Menschen. Also darf sich jeder Mensch als „Heiliger“ in diesem Sinn begreifen, denn Gott sagt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Zu gehörst zu mir“ (vgl. Jes 43,1-7). In diesem Sinn wünsche ich allen alles Gute zum Namenstag!

Klaus Stock

 

Oktober 2014

Oktober, der goldene! Ist es nur nostalgische Erinnerung an bessere Wetterzeiten oder die Hoffnung, dass sich dieses Jahr doch noch freundlicher verabschiedet?

Durch die Unmenge an verfügbaren Wettervorhersagen sind wir fast schon versklavt an die Prognosen: kein Gespräch mit den Nachbarn nach erlebten Unpäßlichkeiten endet mit dem Hinweis: das Wetter ist schuld.

Dabei gäbe es wahrlich bedeutsamere Ereignisse in unserer heillosen Welt: Syrien, Irak, Israel, Ukraine, um nur eine Auswahl von Leidensorten zu nennen. Ausserdem ist der Oktober angefüllt mit den unterschiedlichsten Gedenk- und Erinnerungstagen.
Eine kleine Auswahl:

UNO Internationaler Tag der Katastrophenvorbeugung
Welthospiztag
Tag der Deutschen Einheit
Erntedankfest

Wenigstens dieses Fest des Dankens sollte uns zufriedener und zuversichtlicher in den Oktober hineingehen lassen. Mit diesem für alle gültigen Wunsch lassen sich vielleicht auch soziale Gutwetterzonen pflegen, die die Chance haben, die Großwetterlage zu beeinflussen.

Klaus Stock

 

 

September 2014

Jetzt bleibt uns nur noch die Hoffnung auf einen spätsommerlichen September. Den August können wir vergessen – auf der ganzen Wetterfront eine einzige Enttäuschung.

Aber nicht nur das Wetter, sondern auch die politische Großwetterlage zwingt uns zum besonnenen Nachdenken. Wohin geht unsere Welt? Welche Absichten stecken hinter den häufig unverständlichen Entscheidungen der Mächtigen?

Eine „Flucht“ in spirituelle Innenwelten kann der Weg nicht sein, auch nicht das stolze und trotzige Aufbegehren.

Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, als an dem Platz, an dem wir gerade stehen, unser Bestes zu geben und auf keinen Fall die Hoffnung aufzugeben. Denn wer behauptet, früher waren die Zeiten viel besser, zeigt damit nur an, dass ihm die Weisheit fehlt.

Also bleiben wir einander zugetan und grüßen uns wenigstens jeden Tag mit einem hoffnungsfrohen Lächeln. Vielleicht läßt sich die Sonne dann auch erwärmen und schenkt uns einige gute Tage.

August 2014

Hartnäckig hält sich die Vorstellung, im Monat August würde sich endlich der ersehnte Sommer zeigen – ein Sommermärchen! Die Erhebung und Dokumentation der Wetterdaten spricht eine andere Sprache. „Sommermonate“ gibt es nicht mehr, nur noch kurze sommerliche Abschnitte quer durch die mittleren Monate des Jahres.

Mit dem Namen „August“ verbinden sich viele Ereignisse, Herrschergestalten, Vor- und Familiennamen. Der wohl bekannteste Namensträger ist der erste römische Kaiser Augustus (Regierungszeit 30 v.Chr. bis 14 n.Chr.) in dessen Amtszeit die berühmte pax romana (römische Friedenszeit) in Verbindung gebracht wird.

Eine Ironie der Geschichte wird man es nennen können, dass ausgerechnet in diesen Jahren in Israel ein Wanderprediger namens Jesus von Nazareth auftrat. Auch er wird als „Friedensfürst“ angekündigt, allerdings nicht mit den Mitteln der politischen und militärischen Macht, sondern mit der Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes.

Wenn es stimmt, dass die warmen Sonnenstrahlen nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele gut tun, dann sollte man wenigstens im August hellhörig bleiben für die kleinen Zeichen einer „guten Schöpfung“, die es zu bewahren, zu hegen und zu pflegen gilt. Einander einen erholsamen Urlaub zu wünschen, gehört nicht nur zu den Anstandsregeln einer guten Nachbarschaft, sondern befördert das zwischenmenschliche Klima. Ohne Güte und Menschenfreundlichkeit kann kein Mensch im Frieden leben.

Juli 2014

Die 365 Tage im Jahr reichen schon nicht mehr aus. So viele Erinnerungs- und Gedenktage wurden inzwischen angesagt. Früher waren es meistens kirchliche Anlässe, die den Tagen eine Bedeutung gaben. Heute überwiegen gesellschaftliche und politische Anliegen. Nicht selten wird schon ein einziger Tage mehrfach belegt. Allein im Monat Juli lassen sich die folgenden aufzählen – und das ist nur eine Auswahl:

  • 02. Juli Tag der Franken
  • 04. Juli Unabhängigkeitstag in USA
  • 05. Juli Staatsfeiertag in Tschechien (Gedenktag an Jan Hus)
  • 05. Juli Gedenktag in Tschechien (Eintreffen der Slavenapostel Kyrill und Method in Großmähren)
  • 11. Juli Weltbevölkerungstag
  • 11. Juli Tag des Genozid in Srebrenica (Gedenken an das Massaker von Srebrenica 1995)
  • 14. Juli Nationalfeiertag in Frankreich
  • 18. Juli internationaler Nelson-Mandela-Gedenktag
  • 20. Juli Gedenktag in Deutschland zum Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944
  • 20. Juli Weltraumforschungstag (Gedenktag der ersten bemannten Landung auf den Mond (1969) und der ersten amerikanischen Landung auf dem Mars (1976)
  • 21. Juli in Deutschland (Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige)
  • 28. Juli Welt-Hepatitis-Tag
  • 30. Juli Internationaler Tag der Freundschaft

Man fragt sich, welchen Sinn das alles haben soll. Vielleicht ist es nur ein notwendiger Appell gegen eine weit verbreitete Gedankenlosigkeit. Nur die „Erinnerung“ macht den Menschen weise. Wer sich von seiner Vergangenheit löst, torkelt wie trunken in seine Zukunft. Und die wird dann nicht besonders glücklich sein. Also wünschen wir einander eine glückliche Sommerzeit und einen achtsamen Umgang mit dem Leben.

 

Juni 2014

Für manche Bürger sind die Tage vor und nach Pfingsten im Juni eine willkommene Gelegenheit für einen Kurzurlaub. Städtereisen sind derzeit besonders gefragt. Berlin z.B. zieht immer mehr Menschen an.

Wer sich für einen Besuch der Bundeshauptstadt entscheidet, wird vielleicht auch eine „Straße des 17. Juni“ kennenlernen. Sie führt vom Branderburger Tor bis zur Siegessäule und verdankt ihren Namen dem Volksaufstand am 17. Juni 1953. Vor 61 Jahren wurde dieser Aufstand durch russische Panzer gewaltsam niedergeschlagen.

Immer häufiger erleben wir in diesen Tagen, dass „das Volk“ aufsteht, weil es mit den Regierenden nicht mehr klar kommt: in der Türkei, in Ägypten, in der Urkaine …

Pfingsten ist für die Christen auch die Erinnerung an den Leben spendenden und erhellenden Geist, der Einsicht und Erkenntnis schenken kann. Unsere Gesellschaften bräuchten dringend diese Gaben. Man sollte darum beten.

 

Mai 2014

Benannt ist dieser Monat nach der römischen Göttin Maia. Im römischen Kaiserkult wechselte die Bezeichnung allerdings öfter je nach Lust des jeweiligen Herrschers.

Im katholischen Kirchenjahr ist der Mai besonders der Verehrung der Gottesmutter Maria gewidmet (Maiandachten), weshalb man ihn in diesem Umfeld auch Marienmonat nennt.

Karl der Große führte im 8. Jahrhundert den Namen Wonnemond ein (eigentlich althochdeutsch „wunnimanot“ = Weidemonat), der darauf hinweist, dass man in diesem Monat das Vieh wieder auf die Weide treiben konnte. Mit „Wonne“ im heutigen Begriffszusammenhang hat der alte Monatsname also eigentlich nichts zu tun.

Ebenso erhielt der Mai die Bezeichnung Blumenmond wegen der Hauptblütezeit der meisten Pflanzen.

Nach alter Überlieferung darf man sich der zunehmenden Wärme erst nach den so genannten Eisheiligen vom 11. Mai bis zum 15. Mai sicher sein.

Etwa seit dem 13. Jahrhundert wird der Mai in Europa mit Maifeiern, -umgängen und -ritten gefeiert, in vielen Gegenden Deutschlands und Österreichs ist das Aufstellen von Maibäumen gewachsenes Brauchtum.

Der erste Mai ist traditionsgemäß der Tag der Arbeit. Gewerkschaften nutzen diesen Tag, um für Ihre Anliegen in die Öffentlichkeit zu gehen.

Und was soll der Durchschnittsbürger in diesem Monat beachten? Nicht mehr und nicht weniger als in den anderen Monaten auch, nach einer schönen Formel aus der Bibel: „besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben“ (vgl. Titusbrief 2,12).

Allerdings lohnt sich eine größere Achtsamkeit im Blick auf die Natur als Zeichen eines neuen Anfangs von allem: Leben hat meist eine größere Kraft als wir ihm zugestehen. Nur muss man alle Sinne öffnen, um dieser Kraft auf die Spur zu kommen.

 

April 2014

„April, April, der weiß nicht, was er will“. Dieser alte Spruch versammelt viele Erfahrungen, die wir mit dem Anfang des vierten Jahresmonat verbinden. Die Wetterkapriolen nennen wir einfach „Aprilwetter“. Unbeständigkeit ist also ein Markenzeichen dieses Monats.

Die seit dem 17. Jahrhundert überlieferten Aprilscherze passen dazu: man schickt jemanden mit einem unklaren Auftrag oder einer ungewöhnlichen Botschaft in den April. Zum Beispiel sollen irgendwelche unmöglichen Dinge besorgt werden wie Mückenfett, Hahneneier, Gänsemilch oder getrockneter Schnee. Pressemeldungen, deren Wahrheitsgehalt erst nach einigen Stunden klar wird,  sind heute üblich.

Es gibt verschiedene Erklärungen, woher dieser Brauch kommt. Ein historisches Ereignis sei angeblich der Grund dafür: am 1. April 1530 sollte auf dem Augsburger Reichtstag das Münzwesen neu geregelt werden. Aus Zeitgründen kam es jedoch nicht dazu, so dass für den 1. April ein besonderer Münztag ausgeschrieben wurde. Als dann der 1. April kam, fand dieser Münztag doch nicht statt. Zahlreiche Spekulanten, die auf diesen Münztag gesetzt hatten, verloren ihr Geld. Dass Spekulanten Geld verlieren,  ist heute nicht anders.

Was bleibt für den Normalbürger auf dem Weg durch diesen Monat? Man muß wohl mit der Unbeständigkeit und Ungewißheit von allem rechnen: politisch, ökonomisch, ökologisch, persönlich. Wir werden uns damit abfinden, dass es die „gute alte Zeit“ nie gegeben hat und auch nicht geben wird. Niemand kennt die Zukunft. Sie erschließt sich erst, wenn man mutig in jeden neuen Tag hineingeht – trotz allem mit Hoffnung. Vom Psalmbeter könnte man ein Stück dieser Zuversicht lernen: „Lass mich deine Huld erfahren am frühen Morgen; denn ich vertraue auf dich. Zeig mir den Weg, den ich gehen soll. (Psalm 143,8).

 

März 2014

„Im Märzen der Bauer 
die Rößlein einspannt
.
Er setzt seine Felder
 und Wiesen in Stand.

Er pflüget den Boden,
 er egget und sät 

und rührt seine Hände
 früh morgens und spät“.

Dieses Lied aus der Kinderzeit wird man so schnell nicht vergessen.. Wir leben aber nicht mehr in einer bäuerlichen Kultur, sondern in einer EDV-Kultur (wenn man diese überwältigende Macht des Internet überhaupt eine Kultur nennen kann).

Was übrig bleibt aus dem Lied, ist das Arbeiten „Früh morgens und spät“ … sitzen viele Menschen an ihrem PC, um den Alltag zu gestalten und zu bewältigen. Vielleicht ist deshalb die Sehnsucht nach dem „ländlichen“ Leben wieder gewachsen. Nostalgisch ahnen wir, dass das wirklich lebenswerte Leben doch nur auf dem Land möglich ist und nicht in den Megazentren unserer Großstädte. Ein Wochenende in den Bergen zum Skifahren und/oder Wandern wird von vielen Zeitgenossen erstrebt.

Der März hat 31 Tage und ist nach dem römischen Kriegsgogtt Mars benannt, deshalb nannten ihn die Römer Martius. Der alte deutsche Name ist Lenzing bzw. Lenzmond, eine veraltete Schreibweise ist Märzen.

Die Tagundnachtgleiche (astronomischer Frühlingsbeginn) findet meist am 20. März statt. An diesem Tag steht die Sonne über dem Äquator im Zenit und geht damit genau im Osten auf und genau im Westen unter.

Ob wir jetzt den wahren Frühling erleben, steht noch völlig offen. Wir hatten in 2014 in Deutschland ja noch keinen Winter! Verkehrte Welt!

 

Februar 2014

Der Februar – in Teilen Österreichs, in der Pfalz und im Schwäbischen wird er auch Feber genannt – ist mit 28 Tagen der kürzeste Monat des Jahres. In Schaltjahren wird ein 29. Tag hinzugefügt. Seit der Kalenderreform im 16. Jahrhundert ist das so – und wir wollen immer als erstes wissen: ist heuer ein Schaltjahr oder nicht?

Was an besonderen Gedenktagen auf uns zukommt, erfahren wir oft nur zufällig. Als es noch keine Gewerkschaften gab, war d Meistens beginnt um diese Jahreszeit der Fasching. 2014 werden wir erst am 27. Februar mit der sog. „Weiberfastnacht“ darauf eingestimmt. Der Valentinstag am 14.02. darf nicht vergessen werden. Da möchte man lieben Menschen mit Blumen und anderen Geschenken eine Freude machen. Die Gärtnereien und Blumengeschäfte sind wild entschlossen, ihre ersten großen Gewinne im Jahr einzufahren.

Nach dem ungewöhnlichen frühlinghaften Januar warten wir gespannt auf späte Spuren des Winters. Völlig überrascht wurden unsere Nachbarn in Kärten mit meterhohen Schneefällen. Auch Serbien wurde heimgesucht. Die Wetterfachleute tun sich schwer, eine stimmige Erklärung für dieses seltsame Wetter abzugeben. Uns bleibt ohnehin nichts anders übrig, als die Tage so anzunehmen, wie sie kommen. Vielleicht ist es ein guter Rat, alte Bauernregeln zu lesen und ihrer Weisheit zu trauen. Man könnte ja in diesem Februar einmal darauf achten, ob solche gesammelten Lebenserfahrungen nicht doch recht behalten:

  • Ist’s an Lichtmess hell und rein, wird’s ein langer Winter sein.
  • Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.
  • Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee.
  • Der Lichtmess-Sonnenschein bringt großen Schnee herein.
  • Ist’s Lichtmess licht, geht der Winter nicht.
  • Weiße Lichtmess – grüne Ostern.
  •  Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, gibt`s noch sehr viel Schnee und Eis.

 

Januar 2014

Das Reizvolle und Aufregende am Beginn eines neuen Jahres ist immer die Ungewißheit. Was auf uns zukommt, kann zwar schon im ersten Monat Januar seinen Schatten vorauswerfen, aber niemals eine gesicherte Orientierung bieten.

31 Tage zählen wir im Januar. Seinen Namen verdankt er dem römischen Gott Janus, der laut der Sage zwei Gesichter hat: eines schaut zurück ins alte Jahr, das andere ins neue – mit guten Vorsätzen zum Jahreswechsel.

In der Rückschau besteht immerhin die Chance, aus der Geschichte zu lernen. Da wäre z.B. an ein bedeutsames Ereignis zu erinnern: an den Wiener Kongress. Vor 200 Jahren – beginnend am 18. September 1814 bis 9. Juni 1815 – trafen sich in Wien die Großen und Mächtigen Europas. Anlass war die Niederlage von Napoleon Bonaparte, er zuvor die politische Landkarte des Kontinentes erheblich verändert hatte.

Unter der Leitung des österreichischen Außenministers Fürst von Metternich berieten politisch bevollmächtigte Vertreter aus rund 200 europäischen Staaten, Herrschaften, Körperschaften und Städten, darunter alle bedeutenden Mächte Europas mit Ausnahme des Osmanischen Reiches. Die führende Rolle spielten die fünf Großmächte Rußland, das Vereinigte Königreich, Österreich, Preußen und die wiederhergestellte französische Monarchie sowie der Kirchenstaat. Die deutschen Probleme wurden angesichts ihres Umfangs von den übrigen europäischen Angelegenheiten getrennt besprochen.

200 Jahre sind seither vergangen. Hat sich im politischen Geschäft etwas verändert? Es wird auch 2014 um Macht und Einfluß, um Grenzen und Lebensmöglichkeiten gehen. Man behauptet ja, dass die ersten Schritte eines Weges die wichtigsten sind. So könnte der Gang durch das Jahr 2014 auch dadurch bestimmt werden, wie wir bereits im ersten Monat Januar unser Leben einrichten. Der Philosoph Wilhelm Schmid hat ein lesenswerte Büchlein veröffentlicht: Mit sich selbst befreundet sein. Von der Lebenskunst im Umgang mit sich selbst. Darin rät er: „Richte Dein Leben so ein, dass es lebenswert wird“! Na denn! Packen wir es an.

Dezember 2013

Jedes Jahr, wenn ich den Weihnachtsschmuck auspacke, überfällt mich der Gedanke: das hast du doch erst gestern aufgeräumt! Zeit! Was bist du für ein seltsames Ding! Lang sind zwölf Monate, lang ein Monat, lang kann ein Tag sein – und doch sind alle diese Zeiten nur ein flüchtiger und seltsamer Augenblick.  Nun stehen wir also schon wieder im zwölften und letzten Monat des Jahres 2013 mit 31 Tagen. Im römischen Kalender war der Dezember der zehnte Monat. Daher der Name (lat. decem = zehn).

Am 21. oder 22.12., dem Tag der Sonnenwende, steht die Sonne dann genau über dem Wendekreis des Steinbocks am südlichen Breitengrad von 23°26′. Dieser Tag ist dann auf der Nordhalbkugel der kürzeste im Jahr. Die Nacht ist die längste, auf der Südhalbkugel exakt umgekehrt. So etwas zu erwähnen, ist nicht sinnlos. Es zeigt nur, wie relativ unsere Weltwahrnehmung ist. Wo Winter ist, ist eben anderswo Sommer. Das wissen wir zwar, aber es geht uns eigentlich nicht unter die Haut. Sonst würden wir mehr staunen über unsere so seltsame Behausung Welt, in der wir alle unsere jeweils zugedachten Jahre verbringen.

Alles läuft schließlich im Dezember auf das Weihnachtsfest zu. Werbung und Konsum überlagern den guten Brauch, einander ein Zeichen der Zuwendung und Liebe zu schenken. Und jedes Jahr treten die Moralisten auf und vergällen uns die Freude am Schenken. Warum eigentlich?

Was das sog. Kirchenjahr betrifft, so beginnt es – abweichend vom normalen Kalender – mit dem Sonntag, dem 1. Advent. Dieser Tag fällt heuer auf den 1. Dezember. Dann beginnt eine Zeit der Einstimmung und Erinnerung an das Ereignis, das als Zeitenwende bekannt ist. Eine Zeit vor Christi Geburt und eine Zeit nach Christi Geburt. Die Christen erinnern staunend, dass Gottes Sohn als armes Kind in diese Welt gekommen ist. Die Feier dieses historischen Ereignisses sollte eigentlich der Höhepunkt im Dezember sein. Denn eine größere Zuwendung und Selbstoffenbarung Gottes kann es nicht geben, als dass er unser „Fleisch“ angenommen und einen heiligen Tausch bewirkt hat: „Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott werde“ (Hl. Augustinus, Sermo 371,1)

 

 

November 2013

Wenn ich November lese oder höre, ziehen bei mir schon die Nebel auf. Die jahrelange Erfahrung mit vernebelten Novembertagen in Regensburg an der Donau kann man nicht einfach vergessen.

Ich erinnere mich auch an die heftigen Diskussionen bei der Planung des neuen Münchner Flughafens. Wer mit dem Auto Richtung München unterwegs war, kannte das berühmte Nebelloch bei Allershausen. Es gab sogar eigene „Nebelmelder“, aufgestellt von der Autobahnmeisterei. Seit der Flughafen in Betrieb ist, redet niemand mehr davon. Der Flugplatz hat den Nebel vertrieben. Schon eigenartig, wie wir unser Klima beeinflussen – und kaum jemand regt sich mehr auf.

Ein gewisser Schleier liegt auf diesem Monat. Es sind die vielen Besinnungs- und Gedenktage: Allerheiligen und Allerseelen, Buß- und Bettag, Totensonntag, Volkstrauertag. Ach, nicht zu vergessen, der seltsame Import aus Irland: Halloween, eine Mischung aus Gaudi, altem keltischen Ritual und Geschäftemacherei.

Der 9. November ragt in der deutschen Geschichte zudem durch drei Ereignisse hervor: am 9. November 1918 wurde in Berlin die Deutsche Republik ausgerufen. Am 9. November 1938 begann mit der Reichskristallnacht die systematische Judenverfolgung, am 9. November 1989 fiel die Mauer in Berlin.

Aber es gibt noch andere, vielleicht auch lichtvollere Tage im November: z.B. die Erinnerung an große und vorbildliche Gestalten, wie Martin von Tours mit seiner spontanen Hilfe für einen Armen oder die hl. Elisabeth von Thüringen. Katholiken könnten noch fündiger werden, wenn sie ihren Kirchenkalender befragten.

Nicht zu vergessen ist natürlich der 11. November und zwar genau um 11:11Uhr, der offizielle Beginn des Karneval. Die Akteure haben das Datum längst in ihen Erlebniskalender eingetragen.

Zuletzt freut sich der Bürger auch über die Martinsgans und die vielen Bauernregeln. Denn sie enthalten aus langer Lebenserfahrung und Naturbeobachtung Goldkörner der Lebensweisheit, die vielleicht mehr aussagen als aufwändige Hochrechnungen mit komplexen Computern.

Deshalb drei Bespiele zum Schluss:

  • „Viel Neben im November – viel Schnee im Winter.“
  • „Gefriert im November schon das Wasser, wird der Januar um so nasser.
  • „Hängt das Laub bis in November hinein, wird der Winter lange sein“.

Wir werden ja sehen! Nur mit Mut und Heiterkeit kann man die vernebelten Tage durchstehen.

 

Oktober 2013

Er hatte keinen guten Start, der „Goldene Oktober“. Unklar war nicht nur die Wetterlage, unklar auch die politische Lage – in Deutschland nach den Wahlen und schrecklicher noch in den USA im unversöhnlichen Streit der Parteien.

Die Seele muss sich jetzt gut erholen, z.B, bei einem herbstlichen Spaziergang durch die bunt gefärbter Mischwälder. Pilze soll es übrigens auch in Mengen geben,

Man muss einfach einmal raus in die Natur, Freude tanken, den täglichen Ballast abwerfen und den Blick vom Vordergründigen zum Horizont richten. Dort nämlich berühren sich Himmel und Erde

September 2013

Wenn es nicht das Oktoberfest in München gäbe – es beginnt am 29. September –  dann wäre der September vielleicht der langweiligste Monat im Jahr. Es gibt in Deutschland z.B. keinen Feiertag im September.
Allerdings setzt dieser Monat einen wichtigen Akzent:  am 22./23.09. ist die sog. Tagundnachtgleiche. Da steht die Sonne genau über dem Äquator und dann wissen wir es: jetzt kommen die kürzeren Tage.

Rainer Maria Rilke hat die besondere Stimmung dieser Tage in seinem berühmten Gedicht Herbsttag eingefangen.

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Das Törggelen nach der Weinernte in Südtirol und die Herbstwanderungen in den Bergen sollen ja besonders schön sein. Aber wer von den zunehmend älter werdenden Mitbürgern kann da noch mithalten?

Wir werden also nach Rilke die Stunden und Tage häufiger als sonst in unseren Wohnungen verbringen, mehr lesen als sonst, mehr nachdenken als sonst und Gespräche über das Leben führen, ein Leben, das immer komplizierter und anspruchsvoller geworden ist. Das könnte ja auch dazu verleiten, einmal über den Rand dieser Welt hinauszudenken und die Weisheit der Religionen zu befragen. Sie wissen womöglich mehr als die Börsendaten, die  Gewinne der Konzerne, die Ausreden der Politiker und  das Kriegsgeschrei. Habe ich nicht im Psalm 116,11 gelesen: „Zu meiner Bestürzung sagte ich: die Menschen lügen – alle!?“

 

August 2013

Der August hat 31 Tage und wurde im Jahre 8 v. Chr. nach dem römischen Kaiser Augustus benannt, da er in diesem Monat sein erstes Konsulat angetreten hat. Wikipedia beginnt mit diesem Satz die Begriffsklärung.

Mich aber interessieren heute einmal andere Dinge. Aktuell ist es das ungewöhnlich heiße Wetter, das in keinem Gespräch mehr fehlt. Hatten wir nicht eine lange kalte Zeit im Frühjahr? Und jetzt diese lange heiße Phase?

Manchmal ist das Wetter ja auch eine willkommene Leinwand, auf der wir unsere inneren „Wetterlagen“ abbilden können. Wetterfühlige Menschen kenne ich zur Genüge und ich möchte nicht in ihrer Haut stecken. Als Bild für die  wechselnden seelischen Stimmungen, über die wir nicht einfach verfügen können, ist das Wetter ganz gut geeignet.

Wer kann z.B. Trauer einfach „wegdenken“? Wer kann Freude unbeachtet vorbeiziehen lassen. Stimmungsschwankungen sind normal. Nur die leidenden kranken Mitmenschen kennen belastende Höhen und Tiefen der Seele bis hin zum Krankheitsbild der Zyklothymie – einem Wechsel zwischen Depression und Manie.

Trotz vieler neuer Erkenntnisse über die Entwicklung des globalen Wetters, vieler internationaler Bemühungen, drohende Unwetterkatastrophen durch eine vernünftige Umweltpolitik zu bannen: wir sind machtlose Bewohner dieser wunderbaren Erde und ausgeliefert den großen Zusammenhängen des Makrokosmos. Und nicht anders wird es im Raum der Seele sein: die besten Psychologen, Seelsorger und Ärzte können seelische Katastrophen nicht verhindern.

Das Wetter – im August? Vielleicht bekommt es durch die Verknüpfung mit einem Urlaub oder einer Freizeit doch noch einen guten Verlauf. Vieles im Leben lässt sich ohnehin nur in einem mutigen Dreischritt bewältigen: Annehmen – Gestalten – Loslassen! In diesem Sinn wünsche ich eine erholsame Zeit – bei bestem Wetter!

 

Juli 2013

Am 1. Juli 1961 wurde sie in Sandringham, Norfolk in England geboren. Am 31. August 1997 starb sie mit nur 36 Jahren bei einen Unfall in Paris. Dieses Jahr hätte sie ihren 52. Geburtstag gefeiert: Diana Frances Spencer.

Sie war als „Princess of Wales“ ein internationales Idol des späten 20. Jahrhunderts, erste Ehefrau des britischen Thronfolgers Charles Mountbatten-Windsor, sowie Mutter der Prinzen William und Harry.

Menschen, die eine historische Epoche mitgeprägt haben, sind schnell vergessen. Aber ihre Geburts- und Sterbedaten möchte man doch nicht vermissen. Wir können nicht leben ohne das Strukturraster Zeit: Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre prägen unser Leben.

Der Psalmbeter hat recht, wenn er leicht resigniert feststellt: „1000 Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist und wie eine Wache in der Nacht. …. Unser Leben währt 70 Jahre und wenn es hoch kommt, sind es 80. Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer; rasch geht es vorüber, wir fliegen dahin. … Unsere Tage zu zählen, lehre uns. Dann gewinnen wir ein weises Herz….“ (vgl. Psalm 90).

Der 1. Juli 2013 ist der 182. Tag unseres Kalenders. Das halbe Jahr also ist verbraucht. Es bleiben uns noch 183 Tage bis zum Jahresende – geschenkte Tage, um ein weises Herz zu gewinnen.

 

 

Juni 2013

Jetzt schon steht fest: der Sommeranfang am 01. Juni wird kälter sein als der Winteranfang am 21. Dezember 2012 war. Verrücktes Wetter!
In Potsdam tagten gerade 300 Wissenschaftler aus aller Welt. Wieder einmal ging es um die befürchtete Klimaerwärmung. Der Normalbürger ist verwirrt: wärmer soll es werden? Vermutlich sind die Ergebnisse  der wissenschaftlichen Hochrechnungen zum Klimawandel auch nicht viel sicherer  als das Erfahrungswissen der alten Bauernregeln. Da findet sich beispielsweise zum 1. Juni – am Namenstag der Hl. Margareta – folgender Eintrag:

  • Regnet’s am Margaretentage, dauert der Regen noch vierzehn Tage.
  • Hat die Margaret keinen Sonnenschein, bringt man das Heu nicht trocken rein.

Zu den Demütigungen, die der neuzeitliche Mensch erleidet, gehört auch die Tatsache, dass  er gegenüber dem Wetter und seinen Kapriolen machtlos ist. Zwar haben wir viel erreicht:  den Mond besucht, Sonden auf den Mars verbracht, eine bewohnbare Weltraumstation auf die Erdumlaufbahn transportiert. Noch viel Gravierenderes geschieht: die künstliche Herstellung von biologischem Leben.

Damit wir nicht stolz und übermütig werden, lohnt sich also auch ein Blick auf das Wetter. Und der traditionelle Wettersegen am Schluss des kath. Gottesdienstes ist gewiß kein unnötiges Überbleibsel aus einer magisch verstandenen Zeit, sondern die sehr realitische Bitte an Gott, den „Herrn aller Mächte und Gewalten“ (vgl. das Sanktus in der Messe) um gedeihliches Wetter und gute Ernten. Niemand braucht sich dessen zu schämen. Er anerkennt damit nur die wahren Verhältnisse!

 

Mai 2013

Der 1. Mai ist ein umworbener Tag. Wohin soll man sich wenden? Zum Maibockanstich ins Hofbräuhaus München? – Ach, der war ja schon letzte Woche! – Zur Kundgebung der Gewerkschaft am Tag der Arbeit? Zum Maibaumaufstellen oder – für die Nachtschwärmer – zum Feuer der Hexennacht/Walpurgisnacht? Oder zur ersten feierlichen Maiandacht? Immerhin feiern wir in Bayern am 1. Mai das Fest der Patrona Bavarie! Ein Wandertag wäre auch nicht schlecht!

Alle wollen etwas haben von diesem Tag, natürlich auch vom ganzen Monat! Ach ja, auch die Quartalszahlen der großen Unternehmen werden jetzt aufgetischt, ein weiterer Beweis dafür, dass das Geld dann doch die Welt regiert. (37 Millionen für einen 20jährigen Fußballspieler, um nur ein Beispiel zu nennen). Vielleicht liegt es aber einfach nur an dem Durchbruch des Frühlings, der eine Lebens- und Erlebnisfülle nach sich zieht. Oder daran, dass dieser Monat die meisten Feiertage hat. Wer geschickt plant, kann einen Kurzurlaub genießen, ohne dabei das Kontingent seiner Urlaubstage zu sehr zu belasten.

Im fünften Monat des Jahres warten auch noch andere Möglichkeiten auf uns. Wer einen Garten hat, kann viele Stunden investieren, um ihn für sich und die Nachbarn schön und attraktiv vorzuführen. Der Frühjahrsputz (Fenster z.B.), das Wegräumen der Winterkleidung und diverser Skisportgeräte, die Erstellung der Lohnsteuererklärung, vielleicht auch der längst fällige Kauf neuer Kleider und Schuhe.

Soll einer mal sagen, der Mai wäre langweilig. Nicht zuletzt verdient die eigene Gesundheit eine „Frühjahrskur“. Wie wär`s mit einer Woche Heilfasten? Ganz zu schweigen von einer „revision de vie“, wie die Franzosen sagen: die am Jahresanfang gefassten Vorsätze könnten nach vier Monaten ganz gut ein upgrade verkraften.

Also dann! Langweile wird es nicht geben im Wonnemonat Mai. Muße und kreative Atempausen sollten nicht zu kurz kommen und der erwachenden Lebens- und Liebeskraft darf man einiges zutrauen.

 

April 2013

„April, April, der weiß nicht, was er will“. Dieser alte Spruch versammelt viele Erfahrungen und Weisheiten, die man mit dem Anfang des vierten Jahresmonat verbinden kann. Heuer lässt sich das Umfeld des Datums noch mit einigen weiteren Besonderheiten bereichern: so war gerade erst die Zeitumstellung, der Ostermontag erinnert an ein wichtiges Fest, der Frühling läßt auf sich warten – Aprilwetter? Gleich wird die Wirtschaft ihre Quartalszahlen schönreden. Und was im Großen und Ganzen unsere aktuelle Gegenwart und unsere mittelfristige Zukunft betrifft, so könnte man auf die Idee kommen, dass alles ohnehin nur ein einziger Aprilscherz ist. So soll die alte Praxis, jemanden „in den April zu schicken“, auf verschiedene historische Ereignisse zurückgehen. Eine davon wird vom Augsburger Reichstag berichtet. Dort sollte am 1. April 1530  das Münzwesen neu geregelt werden. Aus Zeitgründen kam es jedoch nicht dazu, so dass für den 1. April ein besonderer Münztag ausgeschrieben wurde. Als dann der 1. April kam, fand dieser Münztag doch nicht statt. Zahlreiche Spekulanten, die auf diesen Münztag gesetzt hatten, verloren ihr Geld und wurden auch noch ausgelacht. Na denn! Hoffen wir, dass nicht auch wir eines Tages ausgelacht werden, wir ach so klugen Zeitgenossen!

 

März 2013

Auf halbem Weg von Aschermittwoch bis Ostern ist eine Besinnungspause angesagt. Es soll sich doch unsere Leben – analog zum kommenden Frühling – innerlich und äußerlich erneuern. Seltsamerweise hilft dabei auch ein nüchternen Blick auf die eigene Endlichkeit, die Einsicht, dass alles Leben dem Wandel unterworfen ist und dem rätselhaften Gesetz von „Stirb und werde“ unterliegt. In einer Fastenpredigtreihe in der Kirche St. Emmeram in Regensburg wurde das Thema „Begegnung mit Sterben und Tod“ von verschiedenen Predigern aufgegriffen. Als „Betroffener“ sollte ich mich auch zu Wort melden. Aus Gesundheitsgründen konnte ich meine Gedanken nicht selbst vortragen. Wen es interessiert, der kann sie hier nachlesen (hier)

Februar 2013

Nur 28 Tage zählt der Februar. Und in dieser kurzen Zeit geht es drunter und drüber. Umbrüche sind zu erwarten.
Zuerst hinein in den Fasching, dann heraus aus dem närrischen Treiben in den Ernst des Lebens – Fastenzeit ist angesagt. Umbrüche wird uns auch das Wetter bescheren. Schon im Februar kämpfen Winter und Frühling  miteinander – unentschieden wird das Ergebnis sein.
Welcher Impuls bietet sich zum Monatsbeginn an?
Vielleicht der alte  Gedanke des griechischen Philosophen Heraklit, dass alles fließt:  panta rhei. Eine andere Version:  „Alles bewegt sich fort und nichts bleibt.“ Angeblich hat Heraklit das Sein mit einem Fluss verglichen, indem er sagte, niemand könne zweimal in denselben Fluss steigen. „Wer in denselben Fluss steigt, dem fließt anderes und wieder anderes Wasser zu.“
Also werden wir gut durch den Februar kommen, wenn wir nichts krampfhaft festhalten, sondern das Leben fließen lassen und uns wie geübte und kundige Schwimmer durch die Tage bewegen.

Januar 2013

Anfangen setzt voraus, dass vorher etwas abgeschlossen wurde. Deshalb starren die Menschen in der Silvesternacht auf den Sekundenzeiger, bis er den Punkt 24.00 Uhr – 00.00  Uhr durchschritten hat. 2012 ist dann vorbei – 2013 kann beginnen.
Ganz aus dem Nichts heraus können wir nicht anfangen. Immer schon leben wir von den vergangenen Taten unserer Vorfahren, aus den Wurzeln unserer Tradition. Im 12. Jahrhundert meinte Bernhard von Chartres, wir seien gleichsam Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen, um mehr und Entfernteres als diese sehen zu können – freilich nicht dank eigener scharfer Sehkraft oder Körpergröße, sondern weil die Größe der Riesen uns emporhebt. Wer sich dessen bewußt ist, fängt bescheiden an und bildet sich nicht mehr ein, er könne das Rad der Geschichte neu erfinden.

Dezember 2012

„Ich arbeite, also bin ich!“
Diese Variante des berühmten Satzes „Ich denke, also bin ich“ von Rene Descartes tifft für viele Menschen heute zu. Nur im – hoffentlich erfolgreichen – Tätigsein gewinnen sie Selbstwertgefühl,  Selbstachtung, Identität und öffentliches Ansehen.
So weit so gut. Was aber, wenn man nicht mehr tätig sein kann? Sind dann nicht andere Lebensziele wichtig?
Dass das Da-sein vor dem Tätig-sein kommt, ist eine Binsenwahrheit, die aber oft vergessen wird. Mein Tätigsein kann mein Dasein nicht begründen. Dasein ist Geschenk und Voraussetzung für mein Tun. Nachdenken über diese Zusammenhänge könnte sich in der Advents- und Weihnachtszeit und hinüber ins Neue Jahr 2013 lohnen!

November 2012

„Wir glauben, was wir sehen. Was wir nicht sehen – nicht zu glauben!“ (Ludwig Somagne)
In diesen Tagen ist das Thema Sterben und Tod durch den traditionellen Friedhofsbesuch aktuell. Die Frage, „wohin die Reise geht“ (nach dem Tod) meldet sich zaghaft im Bewußtsein, wird aber von den meisten Menschen eher nicht beachtet. Warum soll man sich den Kopf über etwas zerbrechen, was man nicht wissen kann?! Und doch lohnt es sich, diese Frage zuzulassen und ein Suchender und Fragender zu bleiben. Es lohnt sich auch, im aufbewahrten „Wissen“ der Menschheit nachzuschlagen. Dort nämlich finden sich auffallend viele Hinweise (z.B. in den Totenkulten aller Völker) auf das, was die Christen im Glauben bekennen: der Tod ist nicht das Ende, sondern die Vollendung des Lebens. Das Sterben ist ein Durchgang durch die Todeszone. Ob die Annahme solcher Botschaften nicht doch unseren Lebensstil verändern könnte – hin zu mehr Gelassenheit und Vertrauen?

Oktober 2012

In jeder Beziehung verbirgt sich ein Element der Manipulation. „Ich will dir doch nur helfen“, sagt der Liebende. „Du nimmst mir meine Eigenständigkeit“, klagt der Geliebte. Es ist eine wahre Kunst, die richtige Balance zu finden zwischen Zuwendung, Hilfe und Rücksichtnahme auf den Anderen. Der Wiener Arzt und Psychologe Erwin Ringel (1921-1994) empfahl nicht ganz zu unrecht: „Wenn einer zu dir kommt und sagt, lass dir helfen, dann nimm Deine Arme und die Füße und renn weg so schnell zu kannst!“

 

September 2012

„Besser sieben Minuten Stille als sieben Bücher lesen“, schreibt  Martin Schleske in seinem lesenswerten Buch „Der Klang“. Dieser provokante Satz scheint eine uralte Erfahrung zu bestätigen, dass die Überflutung durch Informationen und die Anhäufung von Wissen nur wenig zum inneren und äußeren Frieden beiträgt. So sagt auch Ignatius von Loyola (1491-1565): „Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Befriedigung, sondern das innere Schauen und Verkosten der Dinge“. Und noch älter sind vergleichbare Weisheiten aus der Bibel. Der Prophet Jesaja meint: „Nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft“. (Jes 30,15b) und schließlich lesen wir im Buch der Prediger: „Im Übrigen, mein Sohn, lass dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben und viel Studieren ermüdet den Leib“ (Kohelet 12,12). Wann also nehmen wir uns Zeit für die Stille und zum Nachdenken?

 

August 2012

Die Faszination über den Anderen ist zunächst eine Faszination über das „Eigene“ im Anderen, eine wechselseitige Verliebtheit am Anfang jeder Liebe. Im Lauf der Zeit aber tritt das Eigene im Anderen immer mehr zurück und das Andere im Anderen tritt hervor.
Wir sagen dann: „Du bist anders geworden: Ich kenne dich nicht mehr. Du bist mir fremd geworden“.
Aber genau darin liegt die Reifung in der Liebe: den Anderen als Anderen wahrzunehmen und zuletzt sogar als Verweis auf den GANZ ANDEREN zu erfahren!

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .