Anfang und Ende

Anfang und Ende

1. Adventsonntag, Lesejahr B
Lesungen: Jes 63,16b-17.19b;64,3-7 – 1 Kor 1,3-9-  und Mk 13,33-37

Heute beginnt die Adventszeit. Wir nennen sie auch „Stille Zeit“, obwohl wir gerade in diesen Wochen mit Anreizen von außen überflutet werden. – Mitten in einer lärmenden und aufdringlichen Konsumwelt die Strukturen von Anfang und Ende ertasten, damit wir nicht rastlos über die Schwelle stolpern? Wenn das Wort von der stillen Zeit nicht nur Ausdruck von Nostalgie sein soll, sondern eine Einladung an uns, dann müssen wir selber leiser werden und vielleicht auch etwas langsamer. Entschleunigung nennt man das heute?

Denn nur in der Stille findet der Mensch zu sich. In der Stille und im Vertrauen liegt eure Kraft, sagt der Prophet Jesaja. Jesus hat auch dazu eingeladen, wachsam zu leben, den Lärm abzustellen und hineinzulauschen in die Welt. Ein Wächter ist nur dann ein guter Wächter, wenn er sich auf seine Aufgabe konzentriert und sich nicht unnötig ablenken lässt vom Lärm seiner Umgebung. Er kann in die Stille lauschen und seine Schritte bedächtig wählen. Jedes Geräusch ist für einen gewissenhaften Wächter bedeutsam. Wir halten es ja auch so: wenn wir einander Wichtiges sagen möchten, bitten wir vorher um Stille und Aufmerksamkeit!

Was ist die Sache, die uns Christen angeht und zur Wachsamkeit mahnt? Es ist die alte und immer wieder neue Erinnerung an die Vergänglichkeit unseres Daseins. Unser Leben wird nicht so bleiben, wie es jetzt ist. Jeden Augenblick kommt Neues auf uns zu – jeden Augenblick kommt Gott auf uns zu. Gott – ist immer im Kommen. Mit jedem vergehenden Tag, mit jedem zu Ende gehenden Jahr kommen wir unserem Lebensende auf dieser Welt näher und Gott kommt unserem Lebensanfang in seiner neuen Welt näher.

Dieses Ereignis bricht ein in unsere Gewohnheiten, zerbricht das Gewöhnliche und das, was man normalerweise immer voraussetzt. Mit Überraschungen muss man da rechnen, mit Neuem und noch völlig Unvertrautem.

Der Prophet Jesaja hat es erlebt und betet deshalb zu dem unberechenbaren Gott in vertrauensvollen Worten. Seine Stimmung ist eine Mischung aus Angst und Verehrung, von Sorge und angespannter Erlösungshoffnung. Er hat die Geschicke seiner Heimatstadt Jerusalem vor Augen – den Untergang und die Wegführung in die Gefangenschaft – und dann die schwierigen Jahre des Wiederaufbaus.

Alles, was so sicher war, war verlorengegangen. Die Menschen erlebten den Untergang wie eine Strafe Gottes und riefen dennoch vertrauensvoll zu ihm: er möge doch den Himmel auftun und zur Rettung der verdorbenen Welt herabkommen, so, dass die Berge zittern.

Jesaja nimmt die einzig richtige Haltung vor dem großen Gott ein, wenn er das Bildwort vom Töpfer und dem Ton in seinen Händen verwendet. Der Mensch ist Geschöpf Gottes, ist sein Werk – und niemals sein eigener Schöpfer. Was heute in den Forschungslaboratorien der Gentechnik und Biomedizin geschieht, muss uns schon bedrücken. Auch die ungeheueren Summen Geld, die für Forschungszwecke im Weltall ausgegeben werden, machen viele sprachlos angesichts der Nöte auf dieser Welt. Die Frage wird immer brennender: Darf der Mensch alles, was er kann? Darf er sich zum Schöpfer seiner selbst aufschwingen?

Wer sich als Geschöpf Gottes begreift, wird rechtzeitig Halt machen – aus Ehrfurcht vor dem Leben und einen Fortschritt nach menschlichem Maß finden.

Von großen Umbrüchen redet das Markus-Evangelium im vorletzten Kapitel. Man hat oft darüber nachgedacht, wie diese Bildrede zu verstehen sei: die Sonne wird sich verfinstern – die Sterne vom Himmel fallen – wie ist das genau – ist das eine Art kosmischer Infarkt? Was ist das: Weltuntergang?

Wir wissen es nicht. Wir können uns aber vorstellen, dass die Welt, in der wir jetzt leben, so nicht bleiben wird. Wie ein eingestürztes Haus nicht mehr bewohnbar ist, so wird diese Welt am Ende der Zeiten in ihrer bisherigen Gestalt nicht mehr der Wohnort des Menschen sein. Eine neue Welt wird kommen – eine andere Weise zu leben, erwartet uns.

Auf dieses umstürzende Ereignis hin sollen wir Ausschau halten. Der Psalm 146 empfiehlt für die Praxis folgende Lebensweisheit:

„Verlasst Euch nicht auf Menschen, bei denen es doch keine Hilfe gibt! – Denn: Haucht der Mensch sein Leben aus und kehrt er zurück zur Erde, dann ist es aus mit allen seinen Plänen.

Wohl aber dem, dessen Halt der Gott Jakobs ist und der seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott setzt.“

So etwas, liebe Mitchristen, kann man nicht nur hören, sondern man muss es leben. Sich ver-lassen auf Gott – allein! Von sich weg – auf Gott zu gehen.

Die Adventszeit bietet sich an, eine Rückschau zu machen und sich zu fragen: wie habe ich gelebt – und wie will ich weiter leben? – Vielleicht will ich meine Wachsamkeit erneuern – und mein absolutes Vertrauen auf Gott, der zu seinem Wort steht. Denn – so das Evangelium: Himmel und Erde werden vergehen – aber meine Worte werden nicht vergehen.

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1 Kommentar

  1. Ja, das ist wichtig,“ immer kommt Gott uns entgegen“

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