Woher Freude und Friede nehmen?

Woher Freude und Friede nehmen?

Dies ist wahrscheinlich meine letzte Predigt im Internet. Morgen (12.12.2014)  gehe ich in die Palliativstation ins Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Wegen einer deutlichen Abnahme der körperlichen Kräfte ist mein Gefühl untrüglich: meine Tage in dieser Welt sind gezählt.  Ich warte auf die Begegnung mit dem Herrn und  weiß, bei ihm werden Friede und Freude sein. 

3. Adventsonntag, Lesejahr B 2014

(Lesungen: Jes 61,1-2a.10-11 / 1 Thess 5,16-24 / Joh 1,6-8.19-28)

Je näher wir dem Weihnachtsfest kommen, umso eindringlicher sprechen die biblischen Texte von der Freude und vom Frieden. Friede und Freude sind die Grundbedürfnisse und Erlebnisweisen, nach denen wir uns alle sehnen..

Freude als belebende Kraft mitten im grauen Alltag – als Befreiung von den Lasten des Daseins. Und Friede als Ende des dauernden und anstrengenden Kampfes um einen guten Platz unter den Menschen.

Die Angst, man könnte zu kurz kommen, die anderen würden uns mit ihrem vermeintlichen Glück davonlaufen und nur wir blieben unzufrieden zurück. All das wird ein Ende haben.

In den Verheißungen des Propheten Jesaja, im Brief des Apostels Paulus an die Thessaloniker und im Johannesevangelium ist unschwer zu erkennen, dass diese ersehnten Erlebnisweisen nicht durch menschliche Leistung und Anstrengung allein zu erwerben sind, sondern Geschenkcharakter haben.

Von Gott her kommen Freude und Friede. Es ist der Geist des Herrn, der sich Menschen zu seinen Boten erwählt, damit sie den Armen und Hilfsbedürftigen eine frohe Nachricht bringen, damit sie Verzweifelte trösten, die Fesseln der Gefangenen lösen und die Kerkertüren öffnen.

Diese starken Bilder beschreiben  den desolaten Zustand der Menschen. Mit wie vielen Fesseln sind wir nicht alle gebunden! Fesseln der Gewohnheit, der Angst, der Tradition und der eigenen Lebenspläne. Wir meinen, nur dann glücklich zu werden, wenn es nach unserem Kopf geht. Wie wenig sind wir wirklich frei, hängen an unseren eigenen Machwerken, als ob wir uns selbst retten und erlösen könnten.

Jesaja weiß, dass Gott Möglichkeiten hat, von denen wir nur träumen können. Staunen werden alle Völker, wenn sich die Macht und Größe Gottes unvermittelt zeigen wird – seine unvorstellbare und von uns immer wieder in Zweifel gezogene Zuneigung und Liebe zu uns Menschen. Gottes ganzes Trachten ist das Heil des Menschen. Wann werden wir das begreifen?

Der hl. Paulus ist felsenfest davon überzeugt, sonst könnte er nicht in seinem ersten Brief, den wir überhaupt von ihm kennen, mit so sicheren Worten behaupten: „Gott ist treu. Was er verspricht, das hält er auch“. Freude gründet in der festen Zuversicht, dass ein Versprechen nicht nur eine Seifenblase ist, sondern Wirklichkeit wird.

Als wir noch Kinder waren, gab es für uns keinen Zweifel daran, dass das Christkind zu Weihnachten mit einer Bescherung aufwartete. Genau das zeigte sich in einer seltsamen Vorfreude, die uns heute weitgehend verloren gegangen ist, weil wir nichts mehr erwarten müssen, sondern alles schon Wochen vor dem Fest griffbereit in den Schaufensterläden liegt. Wer Geld hat, kann sich nahezu alles kaufen. Warten braucht er auf nichts mehr, höchstens auf die verlorenen gegangen Freude und einen Frieden, der nicht durch materielle Güter herzustellen ist.

Auf dem Isenheimer Altar in Colmar im Elsass ist Johannes der Täufer zu sehen, wie er mit einem ausgestreckten Finger auf Jesus zeigt. Ich bin es nicht, will er damit sagen. Aber der da, auf den ich hinweise, der ist wirklich von Gott her in unsere Welt gekommen, um das endgültige Heil zu wirken.

Man darf nicht vergessen, dass sich zur historischen Zeit Jesu die ganze damalige Welt in einer eigenartigen Unruhe befand. Nicht nur bei den Juden, sondern auch bei den Heiden gab es große Heilserwartungen. Man erwartete ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit – angesichts der wirklichen Verhältnisse damals war das kein Wunder. Die Menschen waren mit ihrem Geschick unzufrieden und richteten ihre ganze Sehnsucht auf einen kommenden neuen Herrscher.

Als dann Augustus Kaiser in Rom wurde, atmeten die Völker auf. Es hatte den Anschein, dass die Kriegszeiten nun vorbei waren. Pax Romana nannten das später die Geschichtsschreiber. Der römische Dichter Vergil gibt dieser Hoffnung in  eindringlicher Weise Ausdruck. Er redet von der Geburt eines Kindes, ohne zu wissen und zu ahnen, wer mit diesem Kind gemeint sein könnte.

In der Geschichte hatte es immer wieder große Gestalten gegeben, die einen Wandel zum Besseren herbeigeführt hatten: Mose, die Propheten, besonders Elia und Jesaja, zuletzt Johannes der Täufer. Die führenden Männer der Juden schickten deshalb zu Johannes, der abseits des gängigen Treibens in der Hauptstadt Jerusalem, in der Wüste am Jordan, den neuen Anfang ausrief.

Er lautete schlicht und einfach: räumt die Hindernisse aus dem Weg, denn der Herr-Gott selbst will kommen.

Gott ist im Kommen. Und wir können nichts anderes dazu beitragen, als die Hindernisse aus dem Weg räumen – mehr nicht und weniger nicht.

Noch wenige Tage in der Adventszeit. Es ist nie zu spät, auszuräumen und alles beiseite zu stellen, was den Platz für Gott verstellt, damit Freude und Frieden nicht nur Wunschvorstellungen, sondern wirkliche Erlebnisweisen werden. Kinder sind da wohl das schönste Geschenk und Symbol für Freude und Frieden.

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3 Kommentare

  1. Lieber Klaus.
    Frau Trudl hat mir berichtet,dass Du bei den Barmherzigen Bruedern bist.
    Bete fuer Dich,dass Gott Dir Kraft geben moege bist Du bei IHM bist.
    Danke Dir fuer all Deine Liebe,Deine geistigen Hilfen,Deine Freundschaft.
    Die Liebe Gottes wird immer bei Dir sein,weil auch Du ihn geliebt hast.
    In alter Freundschaft! Dein Konrad

  2. Lieber Klaus, gerade habe ich mit trudel telefoniert. Ich wünsche Dir alles, alles Gute auf Deinem Weg, den jeder allein zu gehen gezwungen ist. Was ich dir sagen möchte :DANKE für immer ein offenes Ohr, gute Ratschläge und dafür, dass Du extra mit dem Auto gefahren bist, dass ich mit zur Moseralm kommen konnte.
    Denk an die schönen Tage im Schnee,unsere Schneewanderungen in den ersten Tagen dort bevor die anderen kamen und das Alpenglühen an der Rotwand.
    Ich denke an Dich und bete für Dich
    Herzlichst Brigitte

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