Den Hunger stillen

Den Hunger stillen

18. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 03. August 2014 Lesungen: Jes 55,1-3 – Röm 8,35.37-39 – Mt 14,13-21 Hungern und Sattwerden – das sind die Themen, die in den heutigen Lesungen auftauchen. Für uns Mitteleuropäer ist der Hunger gerade nicht aktuell. Wir haben genug zu essen. Die Regale in den Lebensmittelgeschäften sind prall voll. Wir leben immer noch wie die Maden im Speck! Weltweit aber hungern rund 862 Millionen Menschen. Jedes vierte Kleinkind unter fünf Jahren leidet an Mangelernährung, rund 66 Millionen Kinder gehen in Entwicklungsländern hungrig in die Schule. Wer Hunger hat, kann in der Schule nicht lernen, hat weder Kraft noch Hoffnung, für die Zukunft zu planen, leidet häufiger an Krankheiten. Mangelernährte Kinder bleiben mit ihrer Entwicklung hinter ihren Altersgenossen zurück. Oft drohen dauerhafte seelische und körperliche Schäden. Solche Nachrichten gehen einem unter die Haut. Ratlos stehen wir dann vor biblischen Texten, wie wir sie heute im Gottesdienst gehört haben:„Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser.  Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung“ (Jes 55,1). Mancher Christ wird sich im Stillen denken: viel zu schön, um wahr zu sein. Die Tatsachen sind leider anders. Ist also das Wort der Schrift doch nur Wunschdenken und fromme Vertröstung. Ist Religion also doch nur ein “Opium des Volkes”, wie Karl Marx behauptet hat? Und dann erinnert uns der hl. Paulus auch noch an die nie endende Liebe Gottes. Nichts könne uns trennen von ihr – auch nicht die schlimmsten Nöte: Bedrängnis, Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert (Röm 8,35-37). Was antworten wir...
Ein hörendes Herz

Ein hörendes Herz

17. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 27. Juli 2014 Lesungen: 1 Kön 3,5.7-12 – Röm 8,28-30 – Mt 13,44-52 Die Liturgie des Sonntags hat uns heute aus dem Reichtum der Bibel drei besonders schöne Texte zu Gehör gebracht: – das Gebet des Salomo um ein hörendes Herz – die tröstliche Zuversicht des Paulus, daß Gott alles zum Guten führt – und die stille Freude eines Menschen, der einen verborgenen Schatz gefunden hat und alles andere dafür verkauft. In allen drei Texten geht es um das Glück des Menschen, um das Gelingen seines Lebens. Salomo spürt die Last der politischen Verantwortung. Er fühlt sich für das hohe Amt des Königs noch zu jung und weiß nicht so recht, wie er sich verhalten soll. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe bittet er um Weisheit und Einsicht, um ein hörendes Herz. Er will als Regierender nicht seine eigenen Ideen durchsetzen, sondern er hat das Wohl seines Volkes im Blick. Das ist eine Einstellung, die wir auch von unseren Politikern erwarten. Bei der Übernahme eines Ministeramtes bekennen sie sich ja öffentlich zu diesem Ziel: das Wohl des Volkes zu mehren. Manchmal aber hat man den Eindruck, daß politische Macht, öffentliches Ansehen und Einfluß, dazu benutzt werden, um die eigenen Interessen zu wahren und durchzusetzen. Wir können nur wünschen, daß sich die Verantwortlichen in Staat und Kirche am jungen Salomo ein Beispiel nehmen und mehr hinhören, um zu vernehmen, was den einfachen und kleinen Leuten im Land auf den Nägeln brennt. Gott steht immer auf der Seite der Kleinen – und nur wer sich der Kleinen und Schwachen annimmt, handelt im Sinne Gottes. Er wird...
Es ist die Geduld die Vollendung der Liebe

Es ist die Geduld die Vollendung der Liebe

16. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 20. Juli 2014 Lesungen: Weish 12,13.16-19 – Röm 8,26-27 – Mt 13,24-3 Liturgie (hier) Zum Hören der Predigt am Ende des Textes auf das kleine Dreieck am linken Balkenende klicken Es dauert nicht mehr lange bis zur Erntezeit. Die Sorge der Landwirte, ein Unwetter könnte die Ernte zerstören, ist den meisten Stadtbewohnern wenig vertraut. Landwirte hoffen, dass die Mühe der Aussaat nicht umsonst war und die Ernte genügend Ertrag bringt. Das Unkraut bereitet heute nicht mehr so viel Kopfzerbrechen wie früher. Die moderne Landwirtschaft verfügt über technisches Gerät und Kunstdünger. Anscheinend hat sie alles im Griff.   Zur Zeit Jesu war das noch anders. Das Risiko, Unkraut könnte die ganze Aussaat vernichten, war viel größer.  Man säte zudem einfach auf den Boden – ohne ihn vorher besonders aufzubreiten – in der Hoffnung, die Saat würde schon aufgehen. Wir haben im Evangelium des letzten Sonntags gehört, was da alles passieren kann: dass nur ein Teil der Samenkörner Wurzeln fassen und Frucht bringen kann. Steiniger Boden, trockenes Erdreich, Wind und Unwetter, verhindern das Aufgehen der Saat. In der Weiterführung dieser Gleichnisse aus dem bäuerlichen Umfeld trägt Jesus noch eine andere Wahrheit vor. Wir können vom Umgang des Bauern mit der Natur lernen. Es ist falsch, in der Frühphase des Wachstums das Unkraut herauszureißen, weil man damit die gute Saat gefährdet. Erst zur Erntezeit ist es sinnvoll, das Unkraut vom Weizen zu trennen. Wir wissen, was Jesus mit diesem Bild sagen wollte. Wir können unser Leben als einen Wachstumsprozess begreifen und dabei erfahren, dass bei uns und bei unseren Mitmenschen nicht immer nur Gutes wächst, sondern auch Böses. Schuldigwerden und...
Versiegelte Gaben

Versiegelte Gaben

15. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 13. Juli 2014 Lesungen: Jes 55,10-11 – Röm 8,18-23 – Mt 13,1-23 Liturgie (hier) Zum Hören der Predigt am Ende des Textes auf das kleine Dreieck am linken Balkenende klicken Der Schriftsteller Wilhelm Raabe hat einmal über sich und seine Kollegen gesagt: „Wir sind wie Boten, die versiegelte Gaben zu unbekannten Leuten tragen“. Diese Selbsteinschätzung trifft auch für die Verkünder des Evangeliums zu. Das Wort Gottes ist wie eine versiegelte Gabe, die sich nur schwer aufschließen lässt. Prediger tragen diese Gabe zu Menschen, über deren konkrete Lebenssituation sie oft nur wenig wissen. Immerhin sprechen sie vom größten Geheimnis, das die Welt kennt – vom geheimnisvollen Gott selbst. Die Ohnmacht der Sprache kann so groß sein, dass sie das Geheimnis sogar verschleiert. Deshalb gab es ja auch im Gottesvolk Israel ein Verbot, den Gottesnamen auszusprechen. Prediger können so klerikal und weltfremd daherreden, dass am Ende kein Mensch mehr auf die Idee kommt, seine Fragen nach Gott von ihnen als den Amtsträgern der Kirche beantworten zu lassen. In einer offenen Welt erfahren wir immer schmerzlicher, dass manche Zeitgenossen von der Kirche nichts mehr wissen wollen, sondern sich anderen Sinnanbietern zuwenden. So habe ich z.B. jemanden kennen gelernt, der seine spirituellen Bedürfnisse bei Schamanen besser aufgehoben glaubte als bei den Christen und deshalb aus der Kirche ausgetreten ist. So bleibt den Predigern oft nichts anderes mehr übrig, als um Vertrauen zu bitten bei ihren Zuhörern, damit Gottes Wort im unvollkommenen Menschenwort trotz allem ankommt. Das Gleichnis vom Schicksal der Saatkörner hat Jesus ja selbst in diesem Sinne ausgelegt. Weitere Erklärungen erübrigen sich eigentlich. Dennoch sollten wir kurz...
Aufbruch ins ungewisse Neuland

Aufbruch ins ungewisse Neuland

14. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 06. Juli 2014 Lesungen: Sach 9,9-10 / Rom 8,9.11-13 / Mt 11,25-30 Liturgie (hier) Zum Hören der Predigt am Ende des Textes auf das kleine Dreieck am linken Balkenende klicken   In letzter Zeit häufen sich die Nachrichten über zunehmende Flüchtlingsströme. Jeden Tag suchen mehr Menschen den Weg über das Mittelmeer nach Italien und in die anderen  Außengrenzen Europa. Sie können nicht mehr in Frieden leben. Kriegswirren, Überschwemmung und Dürre suchen ihre Länder heim. Ihr Leben ist bedroht. Sie haben nichts mehr zu essen. Also brechen sie auf in Richtung neuer Nahrungsquellen. Sie werden in ihren Heimatländern unterdrückt und verfolgt. Also suchen sie Asyl in sicheren Staaten. Neu ist das nicht. Es erinnert uns an ähnliche Fluchtbewegungen vor mehr als 1000 Jahren – an die „Völkerwanderungen“. Immer schon suchten die Menschen bessere Lebensbedingungen und Freiheit. Eine unglaubliche Ausdauer beflügelte z.B. die Israeliten auf ihrem 40jährigen Weg durch die Wüste. Sie wollten dem Sklavenhaus Ägyptens entkommen und in die Freiheit des Gelobten Landes gelangen. Was zieht den Menschen nach vorne, weg vom Elend – hin zu einer ja ebenfalls noch unsicheren Zukunft? Reinhard Mey hat diese Sehnsucht des Menschen nach unbeschwertem und freiem Leben in seinem Lied vom Flug über den Wolken besungen: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste und Sorgen – sagt man – würden winzig und klein…“ Ein Leben ohne Freiheit bezeichnete der Hl. Paulus als Leben „im Fleisch“, mit anderen Worten: es ist ein im Irdischen verhaftetes Leben, ein auswegloses Leben. Paulus glaubt, dass dies kein unabwendbares Schicksal ist. Allen Getauften ruft er deshalb zu: „Ihr seid...
Spurensuche bei Petrus und Paulus

Spurensuche bei Petrus und Paulus

Hochfest der Apostel Petrus und Paulus – 29. Juni 2014 Lesungen: Apg 12,1-11 / 2 Tim 4,6-8.17-18 / Mt 16,13-19 Liturgie (hier) Zum Anhören der Predigt am Ende des Textes auf das kleine Dreieck am linken Balkenende klicken Eine bekannte Geschichte erzählt von einem Mönch, der einmal im Traum auf seinen Lebensweg zurückschaute. Er sah im Sand am Meer Fußspuren und erschrak. Ausgerechnet dort, wo er die schwersten Zeiten seines Lebens durchgemacht, sah er nur eine einzige Spur. Verwirrt fragte er Gott: „Als ich Dir nachzufolgen begann, hast Du versprochen, mir auf all meinen Wegen beizustehen. Aber jetzt entdecke ich, daß es in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sande gab. Warum hast Du mich allein gelassen, als ich Dich am meisten brauchte?“ Da gab ihm Gott zur Antwort: „Ich habe Dich nie allein gelassen und werde Dich nie allein lassen, erst recht nicht in der Not. Wo Du nur eine Spur gesehen hast, habe ich Dich auf meinen Schultern getragen!“   Diese Geschichte gibt zu denken. Denn Erfahrungen, die Menschen in einer besonderen Nähe zu Jesus Christus machen, sind nicht immer die glücklichsten. In den Lesungen des heutigen Festtages hörten wir die Stimme des hl. Paulus. Er schreibt an seinen Freund Timotheus eine Art Abschiedsbrief. Klagend schaut er zurück und kann nicht viel Erfreuliches sehen. Im Gegenteil. „Ich habe den guten Kampf gekämpft“, sagt er. Das Leben war ein Kampf, es war hart, es war gefährlich und oft aussichtslos. Aber: “der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft. Und er wird nun auch mein Lebenswerk vollenden.“ Schließlich war alles doch gut so, wie es...