Die Chancen des neuen Anfangs

Predigt am Hochfest der Gottesmutter – 01. Januar 2013 Lesungen:  Num 6,22-27 / Gal 4,4-7 / Lk 2,16-21 Alle liturgischen Texte (hier) Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier) [print_link Warum feiert die Kirche am ersten Tag des neuen Jahres ein Fest der Gottesmutter? Ist das nicht weltfremd? Was hat Maria mit dem Jahreswechsel und den brennenden Fragen zu tun, die Menschen gerade an einem solchen Datum bewegen? Wäre es  nicht angebracht, ein deutendes und klärendes Wort zu hören, wie es weitergehen soll mit uns oder was wir anders und besser machen könnten im neen Jahr? Vielen aufgeschlossenen Christenmenschen wird ein Fest der Gottesmutter am Neujahrstag seltsam vorkommen, es sei denn, sie verstehen  dieses Fest als Entfaltung des Weihnachtsgeheim­nisses, das ja gerade erst vor einer Woche gefeiert wurde. Die Lesungen deuten darauf hin. Wir haben im Evangelium noch einmal zu­rückgeblendet auf das Ereignis der Mensch­werdung und seine Folgen. Dabei hörten wir, wie sich die Hirten und wie sich Maria verhalten haben. Die Hirten, so schreibt Lukas, kehrten zu­rück – an ihre Arbeit – nachdem sie Maria, Josef und das Kind in der Krippe gesehen hatten. Und Maria dachte über das Geschehen nach. Dann folgte das übliche Ritual wie bei jedem neugeborenen Kind: man brachte Jesus zur Be­schneidung, so wie wir heute Kinder zur Taufe bringen. Aber noch einmal gefragt – was haben diese Ereignisse, was hat die Gestalt Marias mit dem Anfang eines neuen Jahres zu tun? Warum feiern wir ein Hochfest der Gottesmutter am Neujahrstag? Jedes neue Jahr ist ein unverdientes Geschenk. Niemand konnte sicher sein, dass er das zurückliegende Jahr erleben würde. Sind nicht viele von unseren...

Dankbarkeit – eine Grundeinstellung des Lebens

Predigt am Erntedankfest – 07. Oktober 2012 Lesungen: Joel 2,21-24.26-27 / 1 Tim 6,6-11.17-19 / Lk 17,11-12 Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier) [print_link] Unschwer erkennen wir das Hauptthema der heutigen Lesungen: die DANKBARKEIT. Wir meinen, etwas davon zu verstehen. Denn Gefühle der Dankbarkeit sind uns nicht fremd, z.B. wenn wir vor einer unerwarteten Wohltat stehen: eine überraschend schnelle Genesung aus Krankheit, ein gut ausgehendes Gespräch mit einem Konfliktpartner, das schöne Herbstwetter, wie wir es heuer erleben durften. Dankbarkeitsgefühle kommen oft spontan auf und haben dann ihren unmittelbaren Grund. Wozu wir aber heute angeleitet werden, ist eine Haltung der Dankbarkeit, die länger währt als nur für den Moment des erfahrenen Glücks. Es geht um eine Grundhaltung für unser Leben. Und da müssen wir etwas anhalten und gründlicher hineinschauen in das ganze Leben. Sonst könnten wir bei nächster Gelegenheit böse Überraschungen erleben mit unserem positiven Gefühl, das ein Mitmensch gar nicht teilen kann, weil ihm gerade die ersehnten Wohltaten fehlen. Wie soll ein Mensch in Elend, Not und Krankheit Gefühle der Dankbarkeit hegen? Er wird sich schön bedanken für unsere gut gemeinte Einladung: Sei dankbar! Eher wird er sich von uns abwenden – und noch mehr ins Grübeln und in Pessimismus verfallen im Blick auf seine leidvolle Situation. Wie kann man auch dann eine Grundhaltung der Dankbarkeit wecken, wenn die augenblickliche Lage keinen Anlaß dazu gibt? Aus den Texten der Hl. Schrift entnehme ich einige Hinweise: Erstens sollte der Mensch gelegentlich über den eigenen Tellerrand, ja sogar über sich selbst hinausschauen: der kleine Prophet Joel lenkt z.B. den Blick auf die unbelebte und die belebte Schöpfung: auf das Land und...

Geborgenheit suchen die Menschen

Predigt am 16. Sonntag im Jahreskreis – 22. Juli 2012 Lesungen: Lesungen: Jer 23,1-6 / Eph 2,13-18 /  Mk 6,30-34 Alle liturgischen Texte (hier) Zum Anhören der kurzen Predigt bitte auf diese Zeile klicken! Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier) [print_link] Schafherden sind in jüngster Zeit wieder häufiger zu sehen, vor allem in den Juragebieten westlich von Regensburg. Ich kenne keinen Wanderer, der dann nicht einen Moment stehen bleibt, um Hirt und Herde zu beobachten. Zur Zeit Jesu – im Land Israel – gehörten Schafherden zum täglichen Bild. Wer immer nach draußen ging, begegnete fast um jede Ecke einer Herde mit einem Hirten, so selbstverständlich wie wir heute täglich Autos auf der Straße sehen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn in der hl. Schrift das Bild vom Hirten und seinen Schafen relativ häufig vorkommt. Oft dient es dabei als Gleichnis und Bild für das Verhältnis Gottes zu den Menschen. „Wir sind das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand geführt“ singt der Vorbeter im Tempel zu Beginn eines Gottesdienstes im Psalm 95. Der Prophet Jeremia kritisiert im Namen Gottes die Führer des Volkes: sie sind schlechte und treulose Hirten. Ihnen gegenüber beschreibt er die treue Sorge Gottes um sein Volk im Bild eines guten Hirten, der alles für das Wohlergehen seiner Tiere tut. Im Psalm 23 finden wir das gleiche Bild. Der Beter nimmt dankbar für sich in Anspruch: „Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen“. Nichts also wird denen widerfahren, die im Schutz eines solchen Hirten leben. Auch dunkle Wege, steinige Pfade, Bedrohungen durch natürliche Feinde, sind vorübergehend. Es ist ein Durchgang, den der Hirte als...

So kann es nicht weitergehen ..

Fremde Welten, fremde Sprache Wie aus einer fernen und fremden Welt kommen manche Texte der Bibel auf uns zu. Wer kann z.B. mit den seltsamen Empfehlungen des hl. Paulus etwas anfangen: besitzen, als besäße man nicht, sich freuen, als freue man sich nicht, weinen, als weine man nicht, sich die Welt zunutze machen als nutze man sie nicht? (vgl. 1 Kor 7,29-31). Und wem erscheint die Geschichte, die sich am See Genezareth zugetragen hat, nicht doch etwas weltfremd: da kommt ein noch wenig bekannter Wanderprediger daher und bringt es fertig, dass einige Fischer alles liegen und stehen lassen und mit ihm in eine ungewisse Zukunft gehen (vgl. Mk 1,14-20). Viele Fragen Die Zeit ist erfüllt. Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium, hat Jesus damals seinen Zuhörern in Galiläa gesagt. Wenn er heute auftreten würde, was würde er sagen? Neue Übersetzungsversuche notieren: “Jetzt ist die Zeit gekommen, in der Gottes neue Welt beginnt. Kehrt um zu Gott und glaubt an die rettende Botschaft“.  Das verstehen wir etwas besser. Für Reich Gottes steht übrigens in wörtlicher Übersetzung aus dem Griechischen „Königsherrschaft Gottes“ und in einer neuzeitlichen Übersetzung steht dafür: „Gottes neue Welt“. Aber was ist da genau gemeint – und was soll man von der angekündigten neuen Zeit halten? Kommt wirklich etwas Neues auf uns zu? Oder müssen wir das „Alte“ nur in eine neue Sprache übersetzen? Wer dem Volk auf Maul schaut, könnte dann vielleicht übersetzen: „Jetzt reichts! So wie bisher, kann es nicht weitergehen. Es muss anders werden, besser, als bisher. Die Zeit für einen Wechsel ist gekommen“. Solche Töne kennen wir – aus...

Zuwendung – ein schillerndes Wort

[print_link] Es gibt sie: die Zuwendungsbestätigung. Wer spendet, erhält sie automatisch vom Begünstigten zugeschickt. Der Spender kann den Geldbetrag bei der nächsten Steuererklärung geltend machen. Dadurch haben beide etwas davon, der Spender und der Empfänger einer Zuwendung. So funktioniert Ökonomie auch. Wir Deutschen sind Weltmeister der Spendenbereitschaft. Viele sozial-caritative Einrichtungen wären ohne diese Praxis der Zuwendungen nicht in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen. Aber im Wort Zuwendung ist noch weit mehr enthalten als nur dieser geregelte Umlauf von Geld. Diese fast archaische Fähigkeit der Zuwendung umgreift alle Lebensbereiche, ihre ökonomischen, biologischen, psycho-sozialen und auch ihre spirituellen Dimensionen. Zuwendung ermöglicht erst Begegnung. Und Begegnung ist Voraussetzung für Leben. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ (Martin Buber). Wo Zuwendung ausfällt, erlischt das Leben. Bereits im Handel und Tausch materieller Güter spielen andere Aspekte eine Rolle. Wer einmal im Orient einen Basar besuchen konnte, hat erlebt, dass es da nicht nur um „Ware gegen Geld“ geht, sondern um ein altes Ritual der Zuwendung und Begegnung. Menschen wollen sich face to face begegnen, sie brauchen einander und entwickeln deshalb die unterschiedlichsten Formen der Zuwendung. Den größten Reichen an Formen finden wir bei den Liebenden. Wo Leben Leben begegnet, entsteht neues Leben. Diese biologische Tatsache wird schon im Prozess der Lebensweitergabe erkannt. Samenzelle und Eizelle „begegnen“ einander, verschmelzen zu neuem Leben. Sie sind – poetisch gesprochen – füreinander begabt. Dass wir im psycho-sozialen Miteinander nur dann glücklich werden können, wenn wir wirkliche Zuwendung erfahren, hat Wilhelm Wilms in seinem sehr bekannten Text ausgedrückt: Wusstest du schon, dass die Nähe eines Menschen gesund machen – krank machen kann? Wusstest du schon dass die Nähe eines...

Des Rätsels Lösung – biblische Erkundigungen

Der Erkenntnishunger des Menschen ist unersättlich. Bertolt Brechts Bühnenstück „Der gute Mensch von Sezuan“ bringt es auf den Punkt. Wenn alles gesagt und bedacht ist, bleibt nur noch die Feststellung „Der Vorhang zu und alle Fragen offen“. Im folgenden spirituellen Impuls wird der Versuch unternommen, Auskünfte zu diesem Dilemma in der Bibel zu finden. Wer auf der Suche nach des Rätsels Lösung an der Bibel nicht vorübergeht, wird eine erstaunliche Entdeckung machen: er wird zweierlei in diesem Buch finden, eine Fülle von Rätseln und eine Fülle von „Lösungen“. „Die Königin von Saba hörte vom Ruf Salomos und kam, um ihn mit Rätselfragen auf die Probe zu stellen. Sie kam nach Jerusalem …. und redete mit ihm über alles, was sie sich vorgenommen hatte. Salomo gab ihr Antwort auf alle Fragen. Es gab nichts, was dem König verborgen war und was er ihr nicht hätte sagen können“ (vgl. 1 Kön 10,1-3). Aus dem Osten kamen Sterndeuter mit einer Rätselfrage im Herzen nach Jerusalem. Was ist mit einem neugeborenen König? Wo finden wir ihn, um ihm zu huldigen? Die in Diensten des Herodes stehenden Gelehrten durchforschten ihre Bücher und fanden einen Hinweis in einem alten Buch (Micha). Für Herodes blieb die Sache insgesamt jedoch schleierhaft. Er mißtraute den geheimnisvollen Antworten und reagierte politisch-pragmatisch, indem er den po­tentiellen Konkurrenten durch einen grausamen kollektiven Kindermord auszuschalten versuchte (vgl. Mt 2). Das Gottesvolk Israel scheint überhaupt ein bevorzugter Ort für geistbegabte Männer und Frauen zu sein, die sich in der Kunst der Rätsellösung gut auskennen. Erinnert sei an den ägyptischen Josef, der die rätselhaften Träume des Pharao auslegte – oder an Daniel am Hofe...